Glauben Sie, Herr Professor, daß Sie mit Ihrem Buch "The New Industrial State" (Die moderne Industriegesellschaft) und den Thesen, die Sie darin entwickelt haben, zu den jüngsten Studentenunruhen möglicherweise beigetragen haben?

Galbraith: Ich hoffe es! Was ich freilich nicht geglaubt hätte, ist, daß diese Unruhe sich so rasch einstellen würde. Auf alle Fälle gehört meine Sympathie den Studenten, insbesondere auch den Pariser Studenten, und ich sehe mich gezwungen, sie zu verteidigen, obwohl ich nicht glaube, daß sie viel ausrichten werden. Immerhin haben sie durch ihre Demonstrationen ein Klima geschaffen, das Reformen beschleunigt.

Halten Sie die Revolution – im Unterschied zu Reformen innerhalb des bestehenden Systems – für ein zulässiges und taugliches Instrument?

Galbraith: Ich halte Revolutionen in der Tat für ein brauchbares Mittel, um Änderungen herbeizuführen – jedenfalls in bestimmten Situationen. Ich persönlich ziehe es allerdings vor, am Rand unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems zu arbeiten, um Einfluß auf die bestehende Ordnung zu nehmen. Deshalb schreibe ich beispielsweise Bücher.

Man hat Ihnen verschiedentlich zum Vorwurf gemacht, daß Sie es im Grunde auf eine Verteidigung des bestehenden Systems, des status quo, abgesehen hätten ...

Galbraith: Das ist nicht ganz richtig. Ich bin für Änderungen, aber es entspricht nicht meiner Natur und meinem Temperament, auf die Barrikaden zu steigen. Ich war zufällig Zeuge der Unruhen in Paris und habe sogar Tränengas gerochen; aber ich habe mich an der Revolution nicht beteiligt. Wie gesagt, ich ziehe es vor, Bücher zu schreiben.

In Ihrem auch hier vieldiskutierten Buch "The New Industrial State" sprechen Sie sich für ein größeres Maß staatlicher Planung in Wirtschaft und Gesellschaft aus. Sehen Sie nicht einen möglichen Konflikt zwischen Planung und Freiheit, glauben Sie nicht, daß der persönliche Freiheitsspielraum in eben dem Maße beeinträchtigt werden könnte, wie die staatliche Kontrolle zunimmt?