Galbraith: Ich halte das nicht für eine wichtige Frage. Es ist eine jener weniger wichtigen, jedenfalls nicht lebenswichtigen Fragen, die man Leuten wie McChesney Martin (Präsident der Federal Reserve Bank) oder Abs getrost überlassen kann. Ob der Dollar abgewertet oder die D-Mark aufgewertet wird, ändert im Grunde wenig an der Gesamtsituation. Das Gefährliche an Währungsoperationen ist, daß man sich deswegen Sorgen macht. Die größte Gefahr liegt meiner Meinung nach darin, daß man – wie im

Falle Großbritanniens – eine Art Abwertungsphobie entwickelt und aus dieser Angst heraus alles mögliche tut, um eine Abwertung zu vermeiden. Diese Abwertungsmaßnahmen – angefangen von Devisenbeschränkungen bis hin zur Kürzung von Staatsausgaben – können großen Schaden anrichten. Vor allem ist es die Diskussion über das Für und Wider einer Abwertung, die verhängnisvoll ist. In dem Punkt verfahren die Franzosen weise: Als der Franc kürzlich in eine Krise hineingeriet, da wurden über Nacht alle möglichen Kontrollen verfügt, über deren Vor-

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oder Nachteil die Briten wie auch die Amerikaner erst monatelang diskutiert hätten. Wenn die Franzosen den Franc abwerten wollten, würden sie es binnen 48 Stunden tun – und die Abwertung würde mit einem Leitartikel im Wirtschaftsteil der Zeitungen abgetan werden. In England und Amerika würde darüber endlos diskutiert werden ...

Das ist nun einmal die Schwierigkeit in einer Demokratie ...

Galbraith: Nun, es gibt Demokratien und Demokratien. Die Franzosen gehören jedenfalls zu den wenigen Völkern, die gelernt haben, wie man mit einer Wirtschaft umzugehen hat.

Sie glauben also nicht an eine bevorstehende Abwertung des Dollars?