Nachdem die Geschichte vom armen Kölner Boxer zu Ende war und ein Sportfunktionär öffentlich geäußert hatte, fortan sollten die Zahl der Runden verkürzt und die Schutzmaßnahmen verbessert werden, machte in der um den Fernsehapparat versammelten Gesellschaft ein junges Mädchen den Vorschlag: "Es könnte doch hinten an den Kämpfern ein Draht angebracht werden."

Diese Idee verblüffte.

"Ja, ganz einfach ein elektrischer Draht. Durchbricht dann ein Boxer die Deckung des Gegners, das heißt: trifft er ihn vorn, so klingelt es hinten. Bei den Florettfechtern wird es ja auch so gemacht."

Alle lachten. Doch gleich darauf genierten sie sich, weil der Anlaß solcher Betrachtung noch zu frisch im Gedächtnis war. Doch es ist nun einmal so: Man schüttet den Brunnen erst zu, wenn das Kind hineingefallen ist; in diesem Falle viele Kinder. Schrieb nicht Kleist schon eine kurze Geschichte von zwei britischen Boxern, die sich gegenseitig erschlugen? Irgendeinen aktuellen Anlaß mag auch er schon gehabt haben. Doch seither wurden die Schutzmaßnahmen offensichtlich immer noch nicht genügend erhöht.

Es erhob sich der Einwand, Boxen sei wie kein anderer Sport ein Kampf Mann gegen Mann. "Symbol des Kampfes schlechthin", sagte einer. "Relikt aus grauer Vorzeit", widersprach ein anderer. "So oder so", beharrte das junge Mädchen, "ein bißchen Draht würde an dem Symbolgehalt nichts ändern."

In der Tat ist nicht einzusehen, warum weißgekleidete, an Kopf und Puls geschützte Fechter sich einer elektrischen Leitung bedienen, Boxer aber nicht. Ursprünglich ist ja eine blanke Waffe, ob Degen, Florett, Dolch oder Taschenmesser, für weitaus gefährlicher erachtet worden als Fäuste, die in Handschuhen stecken. Dieser Wahrheit konnte sich niemand entziehen.

"Wir sind doch längst so weit", sagte das junge Mädchen, "daß wir der Technik mehr Vertrauen schenken dürfen als den Menschen. Da gibt es Startmaschinen und Zielphotos. Diese entscheiden bei Pferderennen. Und andererseits: Denkt doch mal dran, wie man sich schwarz ärgern kann, wenn bei Fußballspielen das Fernsehen eine knifflige Situation in Zeitlupe wiederholt! Aha, der Schiedsrichter hat nicht aufgepaßt. Kein Tor, meint er. Aber es war ein Tor – siehe Zeitlupe! Solange nicht automatische Tor-Anzeiger erfunden werden, hört der Ärger gar nicht auf. Und hat’s beim verärgerten Publikum in Buenos Aires nicht gerade erst achtzig Tote gegeben? Na, also!"