Ein bundeseigenes Unternehmen hat seine speziellen Sorgen, wenn es seinen Finanzbedarf über eine Kapitalerhöhung decken möchte. Davon weiß gerade wieder der in der Elektrizitätswirtschaft und in der Elektrochemie engagierte VIAG-Konzern (Vereinigte Industrie-Unternehmungen AG) ein Lied zu singen.

Das Grundkapital von 254 Millionen Mark, das vollständig im Besitz des Bundes liegt, soll um 50 auf 304 Millionen aufgestockt werden. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau soll die jungen Aktien zum Kurse von 220 Prozent übernehmen.

Dieser Transaktion hat bisher nur das Bundeskabinett zugestimmt; die Genehmigung des Bundestages steht noch aus. Daß sie noch vor Beginn der Parlamentsferien erteilt werden wird, ist bisher nur die Hoffnung der VI VIAG-Verwaltung, der mit der VIAG-Kapitalerhöhung auch eine Kapitalerhöhung bei der größten und besonders finanzdas Warten nicht so leicht fällt, zumal zusammen hungrigen Tochter, der Vereinigte Aluminium-Werke AG vorgesehen ist.

Immerhin ist bereits der erste vorgesehene Einbruch in die Bastionen des Alleinaktionärs möglicherweise auch der erste Schritt in die Teilprivatisierung dieses großen Bundeskonzerns. Es sei durchaus denkbar –, so ließ die VIAG-Verwaltung in der Pressekonferenz durchblicken – daß beim nächstenmal, wenn wieder das Grundkapital aufgestockt werden soll, der Kapitalmarkt in Anspruch genommen wird. Man sehe indessen keinen Anlaß, um diese Entwicklung zu überstürzen.

Das Jahr 1967 war für die Unternehmen der Gruppe besser als sein Ruf, erklärte Vorstandsmitglied Dr. Wilhelm Bächle. Die Elektrizitätswirtschaft des Konzerns, die der Bonner Holdinggesellschaft etwa 60 Prozent ihrer Beteiligungserträge sichert, habe sich auch im vergangenen Jahr als "solides Standbein" erwiesen.

Die installierte Kraftwerksleistung der in allen Sparten der Stromerzeugung tätigen VIAG-Gesellschaften stieg im vergangenen Jahr auf 6092 (5668) MW, davon entfallen 3046 auf Dampf- und Wasserkraftwerke; 1845 auf Dampf- und 1201 auf Wasserkraftwerke.

Große Ausbaupläne hat der Konzern vor allem im Bereich der Aluminiumtochter. VAW wird im Rheinwerk die Erzeugungskapazität von Hüttenaluminium von derzeit 45 000 t bis 1970 verdoppeln. Nmn