Khe Sanh sollte ein Symbol amerikanischer Zähigkeit werden. Noch ehe die Schlacht geschlagen war, wiesen ihm Militärhistoriker seinen Rang zu: neben Alamo, Iwo Jima, Bastogne. Präsident Johnson ließ sich von seinen Generalen sogar schriftlich geben, daß Khe Sanh unter allen Umständen gehalten werden könne.

Die Probe aufs Exempel wurde – zum Glück – nie gemacht. Und letzte Woche räumten die Marines in aller Eile das befestigte Lager im nordwestlichsten Winkel von Südvietnam. Hanoi sprach von einem großen Sieg, das Pentagon von "beweglicher Kriegführung".

Noch vor einem halben Jahr starrte alle Welt gebannt auf dieses armselige Fleckchen Erde, wo sechstausend US-Soldaten den Ansturm einer Übermacht erwarteten. Hier – so sagten die Propagandisten des Pentagon – wollte General Giap sein zweites Dien Bien Phu schlagen, und hier wollten die Amerikaner ihm ein zweites Verdun bereiten, an dem sich seine Divisionen verbluten sollten. Doch strategisch hätte sich nichts geändert, hätten die Amerikaner schon damals die Räumung befohlen.

Fast dreihundert Amerikaner sind in Khe Sanh gefallen, fast zehnmal so viele verwundet worden – vierzig Mann pro Tag. Sie wurden geopfert für das Prestige einer Weltmacht, das nirgendwo weniger bedroht war denn hier. Sie wurden geopfert, weil ein paar Generäle seit Verdun nichts dazugelernt haben. K. H. J.