Das Tauziehen um das verkehrspolitische Programm ist endlich beendet. CDU und SPD haben sich auf einen praktikablen Kompromiß geeinigt.

Nun muß Leber beweisen, daß er halten kann, was er versprochen hat: der Bundesrepublik eine neue Verkehrsordnung zu geben. Das Parlament ist bereit, dem Bundesverkehrsminister das notwendige Instrumentarium bereitzustellen. Die Arbeit kann beginnen.

Kein Zweifel, die Krise im Verkehrswesen – und von einer Krise muß man angesichts des Milliardendefizits der Bundesbahn sprechen – ist mit dem Leber-Plan allein nicht zu lösen. Das verkehrspolitische Programm der Bundesregierung, wie es offiziell heißt, verschafft jedoch eine Atempause, die genutzt werden muß.

Wann wäre wohl auch der Zeitpunkt für eine Neuordnung des Verkehrs günstiger als gegenwärtig, wo technische Neuerungen neue Voraussetzungen schaffen, wo auch im Verkehr nicht mehr in Teilstrecken gedacht wird sondern in Transportketten, die Straße und Schiene, Seeweg und Luftstraße als eine Einheit sehen.

Nicht die Konkurrenz der Verkehrsunternehmen sondern die günstigste Kombination der gegebenen Möglichkeiten bestimmt schon heute das Denken weitblickender Kaufleute, wenn sie den Transport ihrer Güter festlegen. Nur, das ist die Krux, es gibt kein Angebot, das solchen Wünschen gerecht wird. Welch eine Chance der Kooperation lassen sich da die Verkehrsunternehmen entgehen.

Das Deprimierende ist nun, daß das Straßenverkehrsgewerbe erst einmal wieder protestierte und anscheinend auch jetzt nicht bereit ist, sachlich und nüchtern darüber zu diskutieren, wie das Güteraufkommen volkswirtschaftlich sinnvoll auf Straße und Schiene zu verteilen ist, so daß beide – Bundesbahn wie Kraftverkehr – leben können. Denn leben können muß die Bahn, und zwar ohne Defizite, sonst müßten wir sie in letzter Konsequenz verschrotten.

Mit Sprüchen wie "Straßen bauen wäre besser" ist das Problem so wenig zu lösen wie mit dem Beschwören der Marktwirtschaft, auf die sich das Straßenverkehrsgewerbe so plötzlich besonnen hat.