Donnerstag: Anreise zur "Querenale". Wer hätte gedacht, daß man Festivals und Kunstausstellungen noch einmal so schrecklich aufregend und wichtig nimmt – allein schon wegen der Frage, ob sie überhaupt stattfinden werden. Und sollen. Wollte erst zum Grinknopfa (Große Internationale Knopfausstellung)-Skandal nach Perlees fahren, hörte aber rechtzeitig, daß der Skandal abgesagt wurde, weil sich die Störtrupps der APO ganz auf die "Querenale" konzentrieren wollen.

Mit mir im Abteil: P., der bekannte Chefideologe der Anti-Establishment-Bewegung. Er hat schon drei geplatzte Literaturpreise, zwei gestörte Buchmessen und eine zerschlagene Porzellanausstellung in Brügge hinter sich. Empört sich, weil er in Brügge keine Arbeiter gesehen habe. Verschwieg ihm, daß zur gleichen Zeit das Endspiel im Europapokal übertragen wurde. Er hätte mich sonst zum Establishment geschlagen und mir damit gesellschaftlich sehr geschadet.

Freitag: Eröffnung und Schließung der "Querenale".

Samstag: Besetzung der "Querenale" durch antiparlamentarische Kräfte und Auftreten eines Mao-Volkstanz-Ensembles.

Sonntag: Besetzung der "Querenale" durch eine Division Marineinfanterie.

Montag: Festspiel-Revolutionäre drohen mit ihrer Abreise. Ein Angebot aus Salzburg, bei den dortigen Festspielen aufzutreten, wird abgelehnt.

Treffe C., den bekannten Linksintellektuellen und Rekordunterschreiber von Protestaufrufen. Ein gebrochener Mensch. Fühlt sich links überholt, seit ihm Trotzkisten Eier an den Kopf warfen und einen "Liberal-Faschisten" nannten. Hat sich eigene Eier besorgt und will sie dem griechischen Konsul an den Kopf werfen. Das sei seine letzte Chance.