Das Bundesbaugesetz schreibt die Einrichtung unabhängiger Ausschüsse für die Wertermittlung von Grundstücken vor. Diese Gutachterausschüsse haben behördlichen Charakter. Ihre Aufgabe besteht darin, den wahren Wert von Grundstücken und Gebäuden zu ermitteln. Dadurch sollen spekulative Preise möglichst verhindert und der Grundstücksmarkt durchsichtig gemacht werden.

Die Gutachterausschüsse sind kollegiale Gremien mit einem Beamten als Vorsitzenden und weiteren ehrenamtlichen Gutachtern. Sie alle müssen anerkannte Grundstückssachverständige sein. Die Ausschüsse sind inzwischen bei allen kreisfreien Städten und Landkreisen eingerichtet worden.

Die Gutachterausschüsse werden in zunehmendem Maße mit schiedsrichterlichen Funktionen betraut. Es kommt immer häufiger vor, daß zwei Geschäftspartner ein solches amtliches Gutachten im voraus für verbindlich erklären oder daß in Enteignungs- oder Umlegungsfällen das Gutachten die Grundlage einer Einigung bildet.

Gelegentlich wird in Grundstücksverträgen von vornherein bestimmt, daß bei divergierenden Ansichten über den Grundstückswert – wie bei der Erhöhung des Erbbauzinses oder einer Rente – der Gutachterausschuß die Rolle des Schiedsrichters übernehmen soll. Auch in Verfahren vor Gericht kann der Gutachterausschuß eingeschaltet werden, zumal dann, wenn stark voneinander abweichende Parteiengutachten vorliegen.

Jeder Gutachterausschuß muß Kaufpreissammlungen anlegen. Alle Verträge, durch die ein Grundstück gegen Entgelt übertragen wird, vor allem also Kauf-, Tausch und Erbbauverträge, müssen in Abschrift der Gutachter-Geschäftsstelle übersandt werden. Diese wertet die Verträge aus und überträgt die Preise in KarteienundLagekarten. Sie bilden die wichtigsteGrundlage für dieErmittlung desVerkehrswertes.

Die Kaufpreissammlung ist derder Öffentlichkeit nicht zugänglich. Aber an Hand der Preise werden vomvom Gutachterausschuß Richtwerte, durchschnittliche Werte für bestimmte Lagen, ermittelt und in Formvon Richtwertkarten bekanntgemacht.Spezielle Gutachten können Eigenrn, Hypothekengläubigern, von Be-hörden, Gerichten und ernsthaften Kaufbewerbern beantragtwerden. Die Gebühren für die Gutachten weichen in den einzelnenLändern etwas voneinander ab. Sie werden nach dem Wert des Grundstücks bemessen und betragen bei unbebauten Grundstücken etwa 100 Mark bei einem Wert des Grundstücks von 50 000 Mark, etwa 200 Mark bei einem Wert von 200 000 Mark und etwa 500Mark bei ein "in Wert von 1 Million Mark, Bei bebauten Grundstücken sind die Gebühren wegen des höheren Arbeitsaufwandes etwa doppelt so hoch.

Amtliche Gutachten können Steuern ersparen. Das Finanzamt einer Großstadt zum schätzte den Wert eines Grundstücks auf 14 Millionen Mark. Das auf Antrag des Steuerschuldners erstellte Gutachten des Gutachterausschusses ergab einen Bodenwertvon 10 Millionen Mark. Diesen Wert erkannte das Finanzamt an.