Von Dieter Dietrich

Wenn die in Bonn kursierenden Pläne zur Entgiftung der Autoabgase Gesetz werden, wird die Luft in den Straßen unserer Städte noch schlechter riechen. Diese Prophezeiung gibt der Berliner Verkehrsexperte Professor Dr. techn. Ernst Fiala, Ordinarius für Kraftfahrwesen der Technischen Universität Berlin. Er stützt seine Behauptung mit entsprechenden Versuchen. In dem Institut für Kraftfahrzeuge, das er leitet, ließ er mehrere Freiwillige an gewöhnlicher und entgifteter Auspuffluft schnuppern. Ihr Urteil fiel einhellig aus: Saubere Abgase stinken mehr.

Die Bundestagsabgeordneten, die über die Abgasentgiftung beschließen, führen uns vom Regen in die Traufe, meint Professor Fiala. Die giftigen Bestandteile, die aus den Auspuffrohren strömen, vor allem Kohlenmonoxyd und Kohlenwasserstoff, sind nahezu geruchlos. Was stört und was das Abgasproblem so populär macht, ist die sichtbare Trübung der Luft und ihr penetranter Geruch.

Aber das wirksamste und einfachste Verfahren zur Abgasentgiftung, das die Bonner Parlamentarier im Auge haben und das auch in den Vereinigten Staaten praktiziert wird, schafft nur noch mehr schlechte Luft in den Städten. Bei dieser Methode wird Frischluft unmittelbar hinter den Auslaßventilen zugesetzt. Der Gehalt an Monoxyd und Kohlenwasserstoff geht dabei zwar zurück. Zugleich aber entstehen bei dem Vorgang höchst übelriechende Verbindungen, zum Beispiel Aldehyde.

In den Vereinigten Staaten drängt sich die Notwendigkeit, die Autoabgase zu entgiften, wegen der gefürchteten und vor allem in Kalifornien grassierenden Smogbildung auf, an der besonders die Kohlenwasserstoffe beteiligt sind. Diese Gefahr besteht aber hierzulande überhaupt nicht. Und um die Giftigkeit der Abgase im Straßenverkehr ist es auch nicht so arg bestellt, wie uns allgemein weisgemacht wird. Der Zug an einer Zigarette ist – gemessen am Kohlenoxydgehalt – hundertmal gefährlicher als das Luftschöpfen an einer besonders verkehrsreichen Citykreuzung.

"Tatsächlich ist kein Personenkreis bekannt, der im Straßenverkehr akute oder chronische Kohlenmonoxydvergiftungen erlitten hätte. Häufig geäußerte Beschwerden – Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit und Müdigkeit – konnten weder mit den Kohlenmonoxydwerten der Luft noch des Blutes erklärt werden", berichtet Professor Fiala. Er befürchtet, die Parlamentarier lassen sich von dem mutmaßlichen Wählerwillen in die Irre leiten. Der Bürger will, daß in den Städten nicht mehr so schlechte Luft herrscht, in dem Glauben, was übel riecht, sei schädlich. Die Physik lehrt aber: Auspuffluft verpestet die Straßen um so stärker, je besser sie entgiftet ist.

Abseits von dem Kampf, den der Berliner Fachmann mit den Waffen der Wissenschaft gegen die Gesetzgebungsorgane ausficht, hat er einen Vorschlag, der das leidige Problem mit Stumpf und Stiel ausräumen könnte: ein geruch- und geräuschloses Stadtfahrzeug, das Elektroauto. Doch solchen batteriegetriebenen Wagen haftet der Nachteil an, lahm zu sein. Bei ihrem schlechten Anzugsvermögen hängt selbst der Citroen 2 CV sie mühelos ab.