Wer heute einen rein silbernen Löffel zum Preis von 20 Mark einschmelzt und das Metall verkauft, erhält seinen "Einsatz" zurück, während er früher dafür nur 8 Mark bekam. Die Verarbeitung ist also heute "gratis". Mit dieser Formel umschrieb Professor Dr. Arthur Burkhardt, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), Geislingen/Steige, die Besorgnis über die Silberhausse, die ein von diesem Edelmetall abhängiges Unternehmen hat. Von 170 Mark im April 1963 stieg der Kilopreis für Feinsilber auf gegenwärtig 325 bis 340 Mark. Diese Bewegung sei noch keinesfalls, zur Ruhe gekommen. Die 500-Mark-Grenze hält Burkhardt in den nächsten zwei Jahren für durchaus erreichbar. Doch allein wenn sich das bestehende Niveau hält, werden nach seinen Worten Preiserhöhungen für Silberwaren nicht zu vermeiden sein. Bisher übte das schwäbische Unternehmen in dieser Frage Zurückhaltung.

Um so erfreulicher ist es für die Unternehmensleitung, daß die Ertragskraft der WMF 1967 nicht gelitten hat – obwohl die Rezession, einen Umsatzrückgang um 3,5 Prozent auf knapp 218 Mill. DM forderte. Freilich trugen auch aperiodische Faktoren dazu bei, daß der Ertrag etwa auf Vorjahreshöhe blieb: radikale Straffung des Budgets, Reduzierung der Vorräte und Personalabbau. Die drastische Kürzung der Investitionen (10 nach 22 Millionen) bedeutet lediglich, daß die Periode der Sonderausgaben 1965/66 abgeschlossen ist. Auf leicht erhöhtem Niveau schließen die 1967 hierfür aufgebrachten Mittel an die Kontinuität früherer Jahre bis 1964 mit 8 Millionen an.

Die WMF will dem Ansturm der hohen Silberpreise auch durch Kapazitätsausbau anderer Produktionsbereiche – beispielsweise auf dem Edelstahlsektor – begegnen. Vielleicht darf man in diesem Zusammenhang die Kooperationsverhandlungen sehen, die bereits im vorigen Jahr liefen und nach Burkhardt in wenigen Monaten vor dem Abschluß stehen. Die bisherige Zusammenarbeit mit der Firma Rosenthal im Hotelbereich war ein Anfang. Eine Verdichtung des Netzes der werkseigenen Verkaufsfilialen im Bundesgebiet ist dagegen nicht vorgesehen. Wohl aber soll sich der Kreis der bisher 16 eigenen Vertriebstochtergesellschaften im Ausland vergrößern. Sie erhöhten ihre Umsätze im vergangenen Jahr um durchschnittlich 14 Prozent.

Der Exportanteil am Umsatz ist um 12 Prozent gestiegen. Dabei waren die erzielten Preise schlecht – zum Teil infolge des Wegfalls der Preisbindung in diesen Ländern, die Burkhardt bei uns gern erhalten sehen möchte. bke