Nun werden wir die Revolution ja bald hinter uns haben, wenn jetzt auch die Theologen anfangen – die Studenten der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Münster tragen diesen auf sie gemünzten hämisch-doppelzüngigen Satz mit trotzigem Stolz. Ihr später Aufstand hat das Handicap, sich gleich gegen zwei Fronten richten zu müssen: gegen die Professoren und deren etablierten Lehrbetrieb wie gegen die späteren Dienstherren, die Bischöfe. Anlaß des Aufstandes ist die vor kurzem von der Vollversammlung der deutschen Bischöfe verabschiedete "Neuordnung der theologischen Studien für Priesteramtskandidaten". Dieses "Bischofspapier", das sich auf das Konzilsdekret über die Priestererziehung beruft, sieht eine "Aufgliederung in ein zehnsemestriges Grundstudium, ein im fünften Semester einsetzendes Spezialstudium mit Wahlpflichtfächern und ein Kontaktstudium nach einigen Jahren der Berufsausübung" vor, behält aber den alten Kodex zufällig entstandener Disziplinen (wie Kirchengeschichte, Dogmatik, Moral, Exegese) bei und verlangt in zwei Examina 9 Klausuren, mündliche Prüfungen in 14 Fächern, sechs "qualifizierte Seminarscheine" und eine wissenschaftliche Zulassungsarbeit.

Den münsterischen Theologiestudenten erscheint dieses "neue Konglomerat der bisherigen theologischen Fächer" "absolut ungenügend". In einem Offenen Brief an die deutschen Bischöfe lehnten sie den Entwurf "mit aller Entschiedenheit" ab, weil er "für die Modifizierung und Weiterentwicklung der künftigen Priesterausbildung keine geeignete Grundlage bietet". Der sechsundsiebzigjährige Paderborner Kardinal Jäger, auf den die Bischofskonferenz den Komplex Studienreform delegierte, schrieb daraufhin den unbotmäßigen Studenten einen indignierten Brief, er hängt im Seminar ebenso an der Wand wie die vertröstend-allgemeine Antwort des Bischöflichen Sekretariats aus Münster; zu beiden gaben die Studenten recht mutige Kommentare.

In einem Teach-in allerdings ließen die katholisch-theologischen Frondeure deutlich erkennen, wie viel sie von ihren großen Brüdern aus Politologie und Soziologie in puncto Verfahrenstechnik noch lernen müssen; ihre Forderungen – größere Effizienz des Lehrbetriebes, Abbau der Fächerfülle, Reduzierung der Prüfungen – sind nicht unbedingt spezifisch theologischer Art.

Dabei hatte ihnen einer ihrer Professoren, Karl Rahner, in einem Artikel in den "Stimmen der Zeit" längst gezeigt, daß es bei der notwendigen Reform des Theologiestudiums auf ganz andere Dinge ankommt: auf eine "wissenschaftliche Reflexion des einen Ganzen der Theologie" (also nicht disparater Disziplinen) – "Als intellektuell redlich Gebildeter von heute muß ich innerhalb und aus dem Gesamt meines geistigen Daseins heraus Sinn und Begründung meines katholischen Glaubens angeben können".

Als man beim Teach-in sich jenem Punkte näherte, wo Rahner hätte eingreifen und sein Konzept von "Grundkurs" und "systematischer Theologie" erläutern können, war der Professor längst vor dem unsystematischen Hin und Her studentischer Halbkritik geflohen. H.J. H.