Der viertgrößte amerikanische Zigarettenkonzern, Phillip Morris, überraschte die Briten mit seinem Angebot, das zweitgrößte Tabakunternehmen Englands, die Firma Gallaher (berühmteste Marke "Senior Service") zu übernehmen. Die Überraschung war zum Leidwesen der Amerikaner noch nicht perfekt. Zwar waren die geheimen Verhandlungen mit der britischen Exchange Control fast abgeschlossen, doch die Unternehmensspitze von Gallaher erfuhr vorzeitig von den amerikanischen Plänen – als die Kurse der Gallaher-Aktien schlagartig zu steigen begannen. Spekulanten hatten zu früh Wind bekommen.

Die Gallaher-Aktien, vordem an der Londoner Börse ein kaum gefragtes Papier, stiegen auf 25 Schilling – genau der Preis, den Phillip Morris zahlen will.

Auf das offene Angebot der Amerikaner reagierte das Gallaher-Direktorium erst einmal ablehnend. Phillip Morris wollte 50 Prozent des Aktienkapitals zu einem Preis von 110 Millionen Dollar übernehmen. Das war dem Direktorium zuwenig – Gallaher ist nach ihrer Rechnung mehr wert.

Dabei hatte sich erst kürzlich gezeigt, wie die Börse Gallaher-Aktien bewertete. Als Imperial Tobacco seinen Gallaher-Anteil für 20 Schilling pro Aktie verkaufen wollte, fanden sich nicht viele Interessenten. An der Börse hält man daher das Morris-Angebot für recht attraktiv.

Phillip Morris will Gallaher die Verbindung mit seinem weltweiten Vertriebsnetz schmackhaft machen. Gemeinsam könnte die "Senior Service" auf dem Weltmarkt besser lanciert werden. Nicht zuletzt auch in den USA, wo Gallaher bereits vor Jahren sein Glück allein versuchte, nach kurzer Zeit aber wieder aufstecken mußte.

Für Joseph Cullman, den Verwaltungsratsvorsitzenden von Phillip Morris, ist die Übernahme der "Senior Service"-Fabriken ein logischer Schritt auf den letzten großen Tabakmarkt der Welt, auf dem Phillip Morris bisher noch nicht vertreten ist. Die ausländischen Märkte haben für die amerikanischen Zigaretten-Manufakturen in den letzten zwei Jahren an Bedeutung gewonnen, denn in den Staaten geht der Zigarettenabsatz pro Kopf zurück. Einige Unternehmen der Spitzengruppe haben im letzten Jahr fünf Prozent ihres Absatzes verloren.

Verschiedene Zigarettenfabriken kauften sich in letzter Zeit in andere Branchen ein – vornehmlich in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie. American Tobaccos kaufte 1967 zwei branchenfremde Firmen (Keks und Whisky) auf; der Anteil der Tabakwaren am Gesamtumsatz des Konzerns sank damit von 100 auf 77 Prozent.