Nach dem Wahlerfolg de Gaulles wurde dem General allenthalben begeistert-bewunderndes Lob gezollt. "Mit Meisterhand" habe er seinen Sieg aus dem Chaos geschlagen, "mit Hilfe der Wähler" die Mai-Krise überwunden. In Wahrheit hat de Gaulle mit Hilfe eines ungerechten Wahlsystems – des Auch bei uns zulande so warm angepriesenen Mehrheitswahlrechts nämlich – die Bataille geschlagen.

Die Zahlen sprechen für sich. Ein Mehr von 8,66 Prozent wurde den Gaullisten mit 116 Sitzen vergütet, während die Linksföderation trotz einer Zunahme von 2,29 Prozent 61 Mandate aufgeben mußte; sie verlor fast die Hälfte ihrer Sitze. Ebenso katastrophal wirkte sich die Mehrheitswahl für die Kommunisten aus. 6,7 Millionen progaullistische Wähler werden künftig durch drei Viertel des Parlaments repräsentiert; 6,1 Millionen Oppositionswähler aber müssen sich mit einem kümmerlichen Mandatenrest begnügen.

Nicht das französische Volk hat sich von der Revolution abgewandt, sondern das halbe Volk steht nach wie vor in Opposition zum Regime. j.