Eines Tages im Februar 1947, die ZEIT war gerade ein Jahr alt und das Kriegsende noch keine zwei Jahre her, flatterte uns ein Manuskript in die Redaktion, das den Titel trug: Die der Krieg erschuf. Die ersten Sätze lauteten: "Als sie von der Front zurückkamen, war auch der jüngste von ihnen alt und hart geworden. Hart wie Glas." Und dann folgte eine Analyse dieser enttäuschten, bockigen, mißtrauischen, wehmütigen, verzweifelten Jugend, die zugleich gefühlsroh und liebebedürftig war. Eine Selbstdarstellung, wie sie bis dahin noch keiner geliefert hatte.

Wie alt mochte der Schreiber sein? Wir baten ihn, einmal vorbeizukommen. Er kam, groß, dunkelblond, zwanzigjährig, in einem ausgewachsenen, blauen Anzug und hieß Claus Jacobi. Er blieb fünf Jahre bei der ZEIT, dann ging er zum Spiegel, wo er neun Jahre später Chef einer Redaktion wurde, die über 60 Redakteure, 60 Mitarbeiter im Archiv und 40 Korrespondenten verfügt.

Jacobi wird den Spiegel am 31. Dezember dieses Jahres verlassen. Auf Wunsch des Herausgebers Rudolf Augstein wird er sich erst nach einer gewissen Zeit von neuem binden. In der Zwischenzeit will er ein Buch schreiben – vielleicht in Bonn – und dann wieder nach Hamburg zurückkehren.

Oft heißt es, seit der Spiegel- Affäre, seit Claus Jacobi Chef des Magazins ist, sei der Spiegel unpolitisch geworden, und eben dies habe den sehr viel engagierteren Augstein gewurmt, der in seinem Selbstverständnis noch immer der zornige junge Mann von einst ist, den aber die heutige "Apo" und die Studenten zuweilen als Prototyp des Establishments auspfeifen und sein Blatt als "Bild am Montag" verspotten.

Sicher ist, daß Jacobi in erster Linie journalistisch interessiert ist, was sich in einer Erhöhung der Auflage während seiner Amtszeit von 400 000 auf eine Million niedergeschlagen hat. Dem sehr viel kritischeren, aggressiveren Augstein geht es dagegen mehr um politische Auseinandersetzung. Vielleicht aber liegt da auch nur eine Verwechslung von Polemik und Politik vor.

Die beiden trennen sich ohne Krach, keiner scheint dem anderen an Fairneß nachzustehen. Was die Folge dieses Abschieds und dieses Neubeginns sein wird? Ob Augstein wieder stärker auf die politische Linie Einfluß nehmen wird? Wie der neue Chef Günter Gaus sich an zweiter Stelle neben dem bisherigen zweiten Chef Engel arrangieren wird? Das alles wissen vorläufig wahrscheinlich nicht einmal die Hauptakteure. Dff.