Es vergeht keine Minute, in der es nicht irgendwo bumst. 1967 ereigneten sich in der Bundesrepublik über eine Million schwere Unfälle. Das Unfallrisiko ist allgegenwärtig: Es gab 17 000 Tote und 462 000 Verletzte. Jeden 125. Bundesbürger erwischte es in diesem Jahr.

Seit 1959 schwankt die Zahl der Verunglückten zwischen 430 000 und 480 000. Nicht immer stieg sie an. Es gab Jahre, in denen weniger Menschen zu Schaden kamen, als im Jahr davor, und zwar 1961, 1962, 1963 und auch 1965. Langfristig aber folgt die Fieberkurve einem Trend nach oben: 1966 gab es neun Prozent mehr Verunglückte als 1959.

Erschreckend genug. Dennoch: Es hätte schlimmer kommen können. Von 1959 bis 1966 stieg der Kraftfahrzeugbestand um 55 Prozent, von 9,3 auf 14,4 Millionen. Die Zahl der Personenkraftwagen hat sich verdreifacht, der Verkehr auf der Straße verdoppelt. Die Interpretation der Unfallentwicklung ist eine Frage des Standpunktes, doch im Grunde genommen passierte von Jahr zu Jahr weniger.

Diese Feststellung wurde erstmals vom Statistischen Bundesamt mit genaueren Zahlen belegt. 1959 war ein Personenkraftwagen im Durchschnitt nach 315 000 Kilometer in einen Unfall verwickelt, bei dem es Verletzte gab oder sogar Tote. 1966 passierte ein solches Unglück erst alle 440 000 Kilometer.

Aufschlußreich ist auch ein anderes Ergebnis: 1959 waren 100 Millionen Kraftfahrzeugkilometer mit dem Opfer von zwölf Menschen verbunden. 1966 kamen bei den gleichen Kilometerleistungen acht Menschen ums Leben.

Ohne Zweifel: Der Verkehr ist sicherer geworden, die Risiken für das Schlimmste sind merklich zurückgegangen. Und dies, obwohl die überfüllten Straßen heute jeden Autokilometer zu einem unfallträchtigen Wagnis machen. Fahren die Autofahrer heute sicherer, defensiver, verkehrsgerechter als früher?

Man sollte die Erfolge der Verkehrserziehung nicht unterschätzen. Aber ebensowenig kann man ein Faktum übersehen, für das es keine Zahlen gibt. Es bumst heute nämlich eher mehr als weniger, nur es passiert nicht mehr so viel.