Hellauer und seine Mitarbeiter versetzten das Trinkwasser von Meerschweinchen mit Cyclamat und beobachteten dreieinhalb bis vier Monate später Veränderungen des Lebergewebes, die – wie die Forscher schreiben – "als sichere Zeichen einer Leberschädigung aufgefaßt werden dürfen". In einer anderen Versuchsreihe, diesmal mit Kaninchen, zeigte sich, daß Cyclamat die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzt. Das war vor allem dann der Fall, wenn die Tiere vor dem Versuch bereits mit Antikoagulantien behandelt worden waren, mit Medikamenten also, die das Blut dünner machen. Aus ihren Versuchen folgerten die österreichischen Mediziner, daß Leberkranke und Patienten mit bestimmten Herz- und Kreislaufleiden "durch unkontrollierte Cyclamat-Verwendung erhöht gefährdet zu sein scheinen".

Schon vorher hatten japanische, amerikanische und französische Forscher Bedenkliches mitgeteilt: Beobachtet worden waren Entwicklungsstörungen von Mäuse- und Rattenembryonen, deren Mütter während der Tragzeit Cyclamat bekommen hatten; Wachstumsverzögerungen bei jungen Ratten, denen – freilich recht große Mengen – Cyclamat ins Futter gemengt worden war; die teilweise Umwandlung des eingenommenen Cyclamats in eine giftige Verbindung namens Cyclohexylamin.

Alle Sorgen über diese Befunde, erklärte auf der Pressekonferenz des Deutschen Grünen Kreuzes Professor Nepomuk Zöllner von der Medizinischen Poliklinik der Universität München, seien unberechtigt. Die Wissenschaftler, die über Gesundheitsschäden bei Versuchstieren durch Cyclamat berichteten, so kritisierte der Mediziner, hätten entweder methodisch unzulänglich gearbeitet, Cyclamatdosen verfüttert, wie sie Menschen bei bestimmungsmäßigem Gebrauch niemals einnehmen, oder aber ihre Ergebnisse seien von anderen Forschern nicht bestätigt worden.

Den österreichischen Forschern warf Zöllner unter anderem vor, sie hätten mit nur wenigen Tieren gearbeitet, und das Lebergewebe der Kontrolltiere, die kein Cyclamat erhalten hatten, nicht untersucht. Die als krankhaft gedeuteten Befunde seien für Stalltiere normal.

Die Zahl der in Bad Hall untersuchten Tiere ist in der Tat gering. Mitgeteilt werden Befunde von 14 Meerschweinchen, von denen jeweils vier Tiere zwei verschieden große Tagesdosen Cyclamat erhielten, während sechs Meerschweinchen zur Kontrolle dienten.

Alle anderen Angriffe weist Hellauer als Sprecher der Bad Haller Forscher zurück. Natürlich seien auch Leberschnitte der Kontrolltiere untersucht worden, versichert er. Diese Präparate hätten sich von denen der Cyclamat-Tiere eindeutig unterschieden. Die veröffentlichten Abbildungen zeigen auch Unterschiede in der Struktur des Lebergewebes, je nachdem, ob die Tiere viel oder wenig Cyclamat erhalten haben. So ist angesichts der abgestuften Erscheinungsformen des Lebergewebes die Ansicht Zöllners, das alles seien "normale Stalltierbefunde", nicht überzeugend. Im übrigen, so teilte Hellauer mit, würden Leberschnitte weiterer Versuchstiere vom Pathologischen Institut der Universität Graz untersucht.

Zöllner berichtete auf der Pressekonferenz über eine von ihm und seinem Mitarbeiter Dr. K. Schnelle im vergangenen Jahr veröffentlichte Untersuchung, auf die vorher schon Cyclamat-Hersteller und Bundestagsabgeordnete hingewiesen hatten. Durch diese Arbeit, erklärte Zöllner, sei die Ungiftigkeit des Cyclamats endgültig bewiesen. Diese kühne Behauptung freilich nimmt wunder, erst recht, wenn man Zöllners Ergebnisse näher betrachtet.