ZEIT: Die Deutsche Bundespost ist durch Gesetz verpflichtet, als wirtschaftliches Unternehmen zu arbeiten. Die Rationalisierungsmaßnahmen haben aber zu Vorwürfen in der Öffentlichkeit geführt, daß die Gebühren zwar erhöht werden, die Dienstleistungen der Post aber geringer und schlechter. Halten Sie diese Vorwürfe für berechtigt?

Dollinger: Selbstverständlich wird es bei einem Geschäftsumfang, wie er bei der Deutschen Bundespost vorhanden ist, immer irgendwelche Pannen geben, die zu Klagen Anlaß geben. Ich darf hier nur einmal darauf hinweisen, daß wir am Tag 30 Millionen Briefe befördern. Aber ich glaube, insgesamt ist die Deutsche Bundespost in ihren Dienstleistungen schnell und zuverlässig.

Nun die Gebühren ... Ich habe als Schatzminister oft gesagt, Staatsbetriebe können nicht zaubern. Wir sind nach dem Postgesetz verpflichtet, unsere Ausgaben durch Einnahmen zu decken. Mit andern Worten: Die Gebührenpolitik muß so sein, daß wir ohne Defizit arbeiten. Die Post muß ja sogar nach dem Gesetz 6 2/3 Prozent vom Umsatz an den Bund abliefern. Diese Ablieferung hat seit der Währungsreform einen Betrag von 5,4 Milliarden Mark erreicht. Seit dem Jahre 1967 ist diese Ablieferung außer Kraft gesetzt und der Bund erhält eine Ablieferung, die einer siebenprozentigen Verzinsung des Eigenkapitals entspricht. Mit dem Differenzbetrag zwischen 6 2/3 Prozent des Umsatzes und 7 Prozent des Eigenkapitals hat der Bund als Eigentümer der Post das Eigenkapital aufgestockt. Im Jahre 1950 hatte die Post noch ein Eigenkapital von 75 Prozent des Betriebskapitals; es hat sich reduziert auf 12 Prozent im Jahre 1964. Auf der einen Seite wurde also abgeliefert, während auf der anderen Seite einige Jahre Verluste hingenommen werden mußten. Die umfangreichen Investitionen waren kein Luxus. Weil sie notwendig waren, mußten sie mit Fremdkapital finanziert werden.

ZEIT: Ist das Eigenkapital der Post nur deshalb zurückgegangen, weil der wachsende Geschäftsumfang die Aufnahme unverhältnismäßig hoher Fremdmittel erforderlich macht, oder auch deshalb, weil der Bund die Abführungen der Post anderweitig – postfremd – verwandt hat?

Dollinger: Der Bund hat außer der Differenz zwischen 6 2/3 Prozent vom Umsatz zu der siebenprozentigen Verzinsung des Eigenkapitals in der Nachkriegszeit nichts zur Aufstockung des Eigenkapitals gegeben. Und das ist auch der Grund, warum sich die Post so hoch verschulden mußte. Fünf Verlustjahre, in denen die Postgebühren zum Teil politische und nicht wirtschaftliche Preise waren, haben diese Situation noch verschlechtert. Heute hat die Post 15 Milliarden Schulden bei einem Umsatz von rund 12 Milliarden. 60 Prozent – 7 Milliarden Mark – entfallen auf Personalkosten, davon allein 1,2 Milliarden auf Versorgungsbezüge. Die Tilgungen betragen 2,3 Milliarden Mark, die Zinsen 586 Millionen, zusammen also 9,9 Milliarden. Ergebnis: Die Investitionen müssen weiterhin zum größten Teil mit Fremdkapital finanziert werden.

ZEIT: Also 20 Prozent Ihres Umsatzes müssen Sie allein für Zinsen und Tilgung aufwenden ...