R. Z., Bonn, im Juli

Rheinland-Pfalz hat den dienstältesten Ministerpräsidenten aller Bundesländer, aber bald wird dort der jüngste CDU-Landeschef regieren. Peter Altmeier, seit 21 Jahren im Amt, hat sich bereit erklärt, bis zum 18. Mai 1969 zurückzutreten. Der 38jährige Helmut Kohl, CDU-Vorsitzender von Rheinland-Pfalz, schon seit geraumer Zeit designierter Kronprinz, wird sein Nachfolger werden.

Der Begriff Kronprinz umschreibt die Rolle Kohls freilich nur sehr ungenau. Tatsächlich hat der Landesvorsitzende schon lange die Zügel in der Hand. Er baute sich zielbewußt seine Mannschaft auf, führte den letzten Wahlkampf – unter der Devise "Ran an den Wähler" – mit unkonventionellen Methoden und durchschlagendem Erfolg und holte aus Bonn tüchtige junge Abgeordnete für die Regierungsämter nach Mainz.

Lange Zeit hatte Rheinland-Pfalz als die ungestörteste CDU-Idylle gegolten – gut konservativ, reichlich schwarz eingefärbt und etwas bequem. Kohl hat dieses Bild zerstört. Sein Ziel war es, die CDU von Rheinland-Pfalz zu einem Modell für die Bundesrepublik zu machen; und er ist auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen. Aber auch er selber hat dabei politische Statur gewonnen. Von allen Landespolitikern der Union hat sein Wort in Bonn am meisten Gewicht.

Von einem Machtwechsel in Rheinland-Pfalz ist also kaum zu sprechen; die Waage hatte sich schon lange zuungunsten Altmeiers geneigt. Symptomatisch aber ist Rheinland-Pfalz, weil sich dort zum erstenmal in einem CDU-Land ein eindeutiger Generationswechsel vollzieht. Die Männer der ersten Runde treten ab; eine neue Generation kommt ans Ruder – unbefangener, nüchterner, für die politischen Gegner gefährlicher. In Rheinland-Pfalz wird man beobachten können, wie die CDU von morgen aussieht.