Fünf Wochen nach den Wahlen zur Selbstverwaltung der Sozialversicherungsträger ist das "amtliche" Schluß- und Gesamtergebnis immer noch nicht da. Immerhin läßt sich für den mit Abstand interessantesten Aspekt dieser Wahlen, für die Wahlen zu den speziell den Angestellten dienenden Einrichtungen, schon jetzt eine klare Bilanz ziehen.

Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) konnte ihre führende Stellung in den Selbstverwaltungsorganen der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte und den Angestellten-Ersatzkassen behaupten oder (bei den Krankenkassen) sogar noch erheblich ausbauen. Von den 230 in diesen Einrichtungen an die Arbeitnehmervertretungen zu vergebenden Sitzen erhielt die DAG 116 Sitze. Das sind gut 50 Prozent. Bei den vorangegangenen Sozialwahlen erhielt sie in diesem Bereich gut 40 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) konnte seine Position sowohl bei der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte als auch bei den meisten Ersatzkassen halten oder zum Teil leicht ausbauen; da er aber bei der Merkur-Ersatzkasse alle 14 Sitze, die er dort bisher hatte, verlor, ist die gesamte "Angestellten-Bilanz" dieser Wahlen für ihn negativ. Ihm verblieben von 49 Sitzen im Jahre 1962 nur noch 40.

Der große Verlierer dieser Wahlen waren die freien, gewerkschaftlich nicht gebundenen Listen. Sie fielen von 49 Sitzen im Jahre 1962 auf jetzt 33 Sitze zurück.

Der "Sieg" der DAG in den Sozialwahlen 1968 war zu erwarten. Sie hatte ihren Wahlkampf prononziert auf das Sonderinteresse der Angestellten gegenüber den Arbeiterinteressen abgestellt und den DGB damit weitgehend patt gesetzt. Der Erfolg hat ihr recht gegeben. Ob sie die Versprechungen, mit denen sie die Angestellten bei diesen Wahlen umworben hat, wird halten können, steht freilich auf einem anderen Blatt,

kr