Von Dieter Senghaas

Was an deutschen Universitäten in den vergangenen zwanzig Jahren als wissenschaftlich unbeackertes Gebiet brach liegenblieb, ist plötzlich von Akademien, Stiftungen, politischen Klubs und kirchlichen Organisationen entdeckt worden: die Friedensforschung. Friedensplanung und Friedenssicherung sind zu attraktiven, publikumswirksamen Diskussionsthemen geworden. Erst jüngst haben in Frankfurt Vertreter von etwa zwanzig Instituten eine "Arbeitsgemeinschaft für Friedensforschung" gegründet, die Teil der "International Peace Research Society" werden soll.

Diese Publizität kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß es noch keine informierte Öffentlichkeit gibt, die sich sachkompetent und politisch mit den Problemen von Krieg, Frieden und Revolution auseinandersetzen könnte. Die praktische Politik der vergangenen Jahre wirkte in dieser Hinsicht eher intelligenzhemmend als -fördernd, und die Wissenschaft von der Politik hat – von wenigen Ausnahmen abgesehen – kaum mitgeholfen, ein kritisches Bewußtsein für dieses Problem zu entwickeln.

Oft emphatisch wurde in diesen Monaten immer wieder auf die in anderen Ländern schon geleistete Friedensforschung verwiesen. Die internationale Friedenswissenschaft, vor allem in Schweden, Norwegen, den Niederlanden, Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten, ging nicht zuletzt deshalb an der deutschen Wissenschaft fast spurlos vorbei, weil hierzulande kein Institut die Kapazität besessen hat, sich an Großprojekten zu beteiligen. Langfristig führt eine solche selbstgenügsame Exklusivität zu einer bedenklichen Selbstabkapselung.

Ein kritischer Überblick über die gegenwärtige internationale Friedensforschung wäre ihrer thematischen und methodischen Breite wegen wünschenswert. Da die hochspezialisierten Zeitschriften dieser Disziplin (etwa das Journal of Peace Research, das Journal of Conflict Resolution, die Peace Research Society Papers und Guerres et Paix) eher verwirren als zur weiteren Lektüre anregen, ist es zu begrüßen, daß seit 1967 die

Peace Research Reviews, herausgegeben vom Canadian Peace Research Institute, Clarkson, Ontario, Kanada, sechs Hefte je Jahrgang, 7,00 Dollar

erscheinen. Die ersten Nummern sind vielversprechend, ihre Lektüre kann vorbehaltlos empfohlen werden. Jedes Heft ist einem einzigen Thema gewidmet, es wird darin die gesamte einschlägige Literatur der vergangenen zwanzig Jahre systematisch aufgearbeitet ("Alternative Ansätze zur Weltregierung", "Geschichte der Abrüstung", "Simulationsspiele von Abschreckung und Abrüstung", "Soziologische Theorien des Protestes und der Revolution", "Motivationsforschung über Krieg und Frieden"). Bibliographisch vorzüglich bearbeitet und pädagogisch geschickt dargestellt – ohne populärwissenschaftliche Zugeständnisse –, kann die Lektüre dieser neuen Zeitschrift gerade auch den Laien anregen und informieren.