Die Ostberliner Kirchenkanzlei der "Evangelischen Kirche in Deutschland" (EKD) hat neue Türschilder erhalten – ohne die beiden Worte "in Deutschland". Zur gleichen Zeit wird bekannt, daß sich die acht Landeskirchen der DDR eine eigene gemeinsame Organisationsform geben wollen und für Verhandlungen mit ihrer Regierung bereits eine Kommission gebildet haben. Das deutet auf einen Strukturwandel der EKD hin.

Zwanzig Jahre immerhin hielt das EKD-Dach; nun muß es neu gezimmert werden, nach der Bauformel des Greifswalder Bischofs Krummacher: "Freigeben, nicht loslassen!" Schon längst ist Kirchenpolitik in Deutschland kein Ersatz mehr für Wiedervereinigungspolitik. Das haben die Kirchenführer in der DDR, der Not gehorchend, eher erkannt als die westdeutschen Bischöfe. Auch haben sie in ihrem Kampf um die Existenz der Kirche gegenüber den Ansprüchen des Staates neue Maßstäbe gesetzt: An die Stelle einer ideologisch verbrämten "Volkskirche" tritt die überschaubare "Gemeindekirche" der Bekenntnischristen.

Drüben deutet sich das Ende des starren Territorialkirchentums und des traditionellen Konfessionalismus an. Wäre es nicht an der Zeit, daß auch hüben damit Schluß gemacht wird. D. St.