Von Uwe Nettelbeck

Seine kühlen Filme, die immer wortkarger und immer vollkommener werden, wahren zu stolz ihren Schein, um jener zum bloßen Reflex verkommenen Akklamation anheimzufallen, die ausführlich nur auf Qualitäten reagiert, die sich selber als kulturvolle ausweisen oder mühelos ausweisen lassen. Sie finden ihr zufälliges Publikum, das sie finanziert, doch die Aufmerksamkeit, die sie zwar nicht fordern, aber verdienen, fanden sie selten, es sei denn die der aficionados; seit Jahren nämlich erzählen die Filme des Franzosen Jean-Pierre Melville scheinbar nichts weiter als gewöhnliche Gangstergeschichten und unterscheiden sich auf den ersten Blick von anderen Gangsterfilmen nur durch ihren allerdings auffälligen Mangel an äußerer Turbulenz, durch ander gewöhnlichen Gangstergeschichte nicht angemessenes Tempo, das die trivialen Muster bis zu ihrer Erstarrung zerdehnt und einer Genauigkeit des Filmens unterwirft, die in dieser Konsequenz eine dem Genre fremde Erzählattitüde ist, weil sie sich ihrem Material mit einer außergewöhnlich luxuriösen Gestik nähert und einer Stilisierung aussetzt, die der Regel nach nur edleren Stoffen zukommt.

Auf den zweiten Blick erinnern Jean-Pierre Melvilles Gangsterfilme an die besten Erfindungen des amerikanischen Kinos, vor allem an die films noirs mit Humphrey Bogart, die der Filmeseher Jean-Pierre Melville über alle anderen stellt, an Filme wie Howard Hawks The Big Sleep oder an manche Filme John Hustons, denn Jean-Pierre Melville, der über fünfzig ist, ist wie Howard Hawks oder auch Alfred Hitchcock, die über sechzig sind, wie die wenigen originalen Meister des Konfektions-Kinos, die alle über fünfzig sind, ein Autor, der sein Metier so gelassen beherrscht, daß er auf eine verbale und von seinen Filmen ablösbare Formulierung seiner Absichten auf die selbstverständlichste Weise verzichten kann.

Aber es ist nur die bis zum Exzeß verfeinerte Sorgfalt der kinematographischen Inszenierung, die Jean-Pierre Melvilles Filme mit den großen Filmen Hollywoods verbindet. Alfred Hitchcock und vor allem Howard Hawks sind Autoren, deren Filme von Anfang an in einer von fossilen Kulturwerten unbelasteten Tradition entstanden. Jean-Pierre Melvilles Filme dagegen beschreiben die Emanzipation ihres Autors, an deren Anfang die Auseinandersetzung mit einem so kulturbelasteten Stoff wie Jean Cocteaus Les Enfants

Götterdämmerung

Die Beziehungen zwischen Hitler und der deutschen Großindustrie wird Luchino Viscontis neuer Film zum Thema haben, der unter dem Titel "Götterdämmerung" in einigen Wochen in Österreich Drehbeginn haben wird. Hauptpersonen sind die Mitglieder einer Stahlindustriellen-Familie, die durch die Unterstützung Hitlers dem Nazismus in Deutschland wesentlichen Auftrieb geben und schließlich zu bloßen Werkzeugen des Diktators werden. Der Film soll als italienisch-deutsche Co-Produktion entstehen. Auch Dreharbeiten in Deutschland sind vorgesehen. Stellungnahmen der "Wirtschaftsvereinigung Eisen- und Stahlindustrie" oder der NPD stehen noch aus.

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