Frankreichs Industrien hoffen, von den Mai-Unruhen zu profitieren. Unter dem Deckmantel ausgleichender Maßnahmen für die Belastungen aus den Lohnsteigerungen und Produktionsausfällen drängen sie auf umfassende Schutzmaßnahmen als Ersatz für die Zollschranken. Der neue französische Protektionismus wird helfen, die schwachen Branchen vor der drohenden Importschwemme nach dem Abbau der Zollschranken zu schützen

Die französischen Stahlwerke, die Auto mobilfabriken, die Textilindustrien um die Hersteller von elektrischen Haushalts geraten waren schon vor der Maikris gegenüber ihren Auslandskonkurrentei ins Hintertreffen geraten. In ihrem Jahresbericht für 1967 beklagten sich di. Stahlwerke Frankreichs über den wach senden Druck der Auslandseinfuhren.

Die Kraftwageneinfuhren nach Frank reich sind schon vor der Krise stärker gestiegen als die Ausfuhren. Auf den Markt für Elektrogeräte hatten Italien und auch die Bundesrepublik die heim; sehen Produkte verdrängt.

Ein anderer bedrohter Industriesektor ist die Chemie. Die Überlegenheit de bundesdeutschen Konzerne ist hier groß und die am 1. Juli durchgeführten französischen Zollsenkungen sind erheblich Auch die Produzenten von Schuhen, Glaswaren, Möbeln und Spielzeugen müsse! sich anstrengen, um ihren Markt gegen die Auslandserzeugnisse zu behaupten.

Grundsätzlich hält aber die französische Regierung an ihrem handelspolitischen Liberalismus fest. Verstärkte Auslandseinfuhren wirken der akuten Inflations- und Preisauftriebsgefahr entgegen. Mit einer liberalen Einfuhrpolitik für Industriewaren aus den EWG-Partnerländern steht und fällt auch der für die französische Landwirtschaft lebenswichtige grüne Europa-Markt.

Das erklärt die ungewohnte Nachgiebigkeit der Franzosen gegenüber den von Brüssel gestellten Bedingungen. Paris hat auf die einseitige Einführung von Schutzkontingenten verzichtet und will mit seinen Partnern eine gemeinsame Lösung des Schutzproblems ausarbeiten. Welche Zugeständnisse die französische Regierung dabei den EWG-Partnern und auf der anderen Seite den inländischen Unternehmen machen wird, das ist noch nicht entschieden. e. k.