Donnerstag, 4. Juli, 1. Programm: "Internationales Tennisturnier"; Freitag, 5. Juli, 1. Programm: "Internationales Tennisturnier" ‚2. Programm: "Internationale Tennismeisterschaften von England"

Grün der Rasen, grüner das Holz der Anzeigetafel, am grünsten das Ensemble der Herzogin von Kent: Wimbledon präsentierte sich diesmal in Farbe; Rod Lavers Sommersprossen waren zärtlich getönt, der Rotschopf flammte, und wenn die Wolken kamen, wechselten Zuschauerjacken und Athletinnenröckchen die Tönung.

Ansonsten war alles ganz wie gewohnt: Freundlich klopften die Streiter am Ende des Kampfes mit ihren Schlägern gegen den Schiedsrichterstuhl; leutselig unterhielt sich Kents Herzogin mit den aus einem Waisenhaus stammenden Balljungen, guckte links, guckte rechts, sprach den dritten, neunten und dreizehnten an, trat auf den Teppich, schwenkte den Kelch und richtete dann an den Sieger das Wort.

Was mag sie wohl sagen? frage ich mich jedes Jahr wieder, und was denken die Jungen? Denken sie: Das war das Jahr, als ich der Herzogin antworten durfte, es sei ein schönes Spiel gewesen, ich sei in der sechsten Klasse, stünde im Kricket durchaus meinen Mann und wolle später zur Post? oder denken sie: Es war mir widerlich, sie tat wie ein Bischof, ein General oder Premier, der einen Dockarbeiter mit "guter Mann" tituliert? Und was sagt sie, das Hutköpfchen neigend und die Fältchen des Konversationslächelns zu beiden Seiten des Mundes ein wenig erweitert, wenn sie mit dem Verlierer spricht? Zieht sie, Bedauern anzeigend, die Fältchen wieder zusammen? Was sagt sie zu Laver? Sie waren fast so schnell wie vor sechs Jahren, das ist eine erstaunliche Leistung; meinen Sie, daß Profis wirklich so viel besser sind als Amateure; für mich erhöhen offene Turniere die Spannung gewaltig – für Sie nicht?

Nun, was mich betrifft, so würde ich die Wimbledon-Übertragungen zu den interessantesten Sportsendungen zählen – wie phantasievoll dieses Wiederholungsspiel! – wenn nur die Sprecher nicht wären, die Schwätzerchen und Wichtigtuerlein, die, statt behutsam zu kommentieren, nur nacherzählen, was doch jedermann sieht: daß der eine selten zum Netz geht und der andere gerade einen Fußfehler macht, daß der eine noch zwei Bälle hat und der andere die Vorhand bevorzugt.

Oh, dieses Papperlapapp, diese Angst vor der Stille – muß es denn wirklich sein, daß dem thirty all des Schiedsrichters sogleich ein dreißig beide also folgt, eine hundertfach wiederholte Übersetzung für Klippschüler, glauben die Herren tatsächlich, es säßen nur Idioten am Fernsehgerät, nur Trottel, die sich nicht selbst ausrechnen können, daß A. jetzt zwei Match-Bälle hat oder B. in Gefahr ist, wiederum sein Aufschlagspiel zu verlieren? Welche Wohltat, als einmal der Ton ausfiel und niemand rekapitulierte, was der Zuschauer sah und der Schiedsrichter sagte ...

Fünfzehn Minuten war’s wirklich schön; ein Viertelstündchen lang war man in Wimbledon.

Momos