Wenn es nun auch keineswegs so ist, daß der finanziellen Zukunft der Rentenversicherungen "in großer Ruhe" entgegengesehen werden kann, so ist dem sozialpolitischen Sprecher der SPD, Professor Schellenberg, doch darin zuzustimmen, daß "Krisengerede und Miesmacherei" unangebracht sind. Das von einem Expertenteam errechnete Minus in den kommenden vier Jahren liegt erheblich unter den kürzlich von den privaten Lebensversicherungen errechneten Zahlen. Ein Kassendefizit von 7,7 Milliarden Ende 1972 bei einem Rücklagevermögen von etwa 24 Milliarden Mark (1967) ist noch keine Katastrophe.

Aber natürlich wird nun etwas geschehen müssen. Und dieser Zwang zum Handeln ist denn wohl auch der eigentlich positive Aspekt dieser nach vielem Hin und Her zustande gekommenen amtlichen Vorausrechnung. Wenn der Bundestag nach der Sommerpause wieder an die Arbeit geht, wird er um gravierende Entscheidungen nicht herumkommen. Allein über den Ausgleich der gegenläufigen Entwicklung in der Rentenversicherung der Arbeiter und der der Angestellten – die eine wird, wenn nichts geschieht, 1973 zahlungsunfähig sein, die andere wird ihre Rücklagen bis dahin um weitere Milliarden aufstocken – wird es heiße Debatten geben.

Katzer hat die nicht gerade vergnüglich zu lesende Lektüre den Mitgliedern des sozialpolitischen Bundestagsausschusses in den Urlaub nachgereicht – mit besten Wünschen für eine gute Erholung. Sie werden diese Erholung brauchen. Der Herbst wird Nerven kosten (siehe Seite 30: Rentenversicherung). kr.