Schon am ersten Tag der AEG-Bezugsrechtnotierung wurde ein großer Teil des damit zusammenhängenden Kursabschlages vom Kurs der alten AEG-Aktien wieder aufgeholt. Das gleiche geschah, als jüngst die Dresdner Bank das Bezugsrecht auf junge Aktien notieren ließ. Ähnliches haben wir in den Hausse-Zeiten bis 1960 erlebt. Auch damals wurden Bezugsrechte als zusätzliche Geschenke zur Dividende betrachtet, die sie in Wirklichkeit natürlich nicht sind. Für die erstklassigen deutschen Gesellschaften ist es heute kein Problem, neues Kapital über die Börse aufzunehmen. Doch die wenigsten haben Kapitalbedarf. Zu Beginn eines neuen Booms fließen die Kassen im allgemeinen über.

Musterbeispiel in dieser Hinsicht ist das Haus Siemens, das per 30. März 1968 eine Halbjahresbilanz veröffentlicht, die vom Sprecher des Vorstandes Dr. Gerd Tacke als eine "Bilanz der Startbereitschaft" bezeichnet wird. Obwohl die Inlandsinvestitionen im Geschäftsjahr 1968/69 um rund ein Drittel auf knapp 500 Millionen Mark erhöht werden sollen, ist zur Finanzierung vorerst weder an eine Anleihe noch an eine Kapitalerhöhung gedacht. Es wird für 1967/68 bei einer Dividende von 16 Prozent bleiben, der nicht unbeträchtliche Mehrgewinn soll den Rücklagen zugeführt werden. Für die nächsten Jahre können die Aktionäre mit einem guten Wachstum ihres Hauses rechnen. "Ich persönlich würde meine Aktien nicht verkaufen", meinte Dr. Tacke.

K.W.