Hamburg

Am Haus der Evangelischen Studentengemeinde an der Esplanade in Hamburgs Innenstadt weht seit Montag die griechische Flagge. Im Parterre liegen Matratzen und Decken: Sieben Griechen – fünf Studenten und zwei Arbeiter – protestieren mit einem Hungerstreik dagegen, daß der Filmregisseur Anastassiadis und der Student der Physik Dariotis seit dem 31. Mai in Athen im Gebäude der Sicherheitspolizei gefangen sitzen, ohne daß bisher ein Verteidiger oder ihre Familien mit ihnen Verbindung aufnehmen dürfen. Beide werden vom Regime verdächtigt, im Herbst vergangenen Jahres an dem Bombenanschlag auf das Justizministerium beteiligt gewesen zu sein, bei dem damals eine Frau getötet wurde.

Anastassiadis und Dariotis beteuerten ihre Unschuld und erklärten sich bereit, sich einem ordentlichen Gericht zu stellen. Die Griechen an Hamburgs Esplanade hoffen, ihnen helfen zu können. Nicht durch Hungern allein. Im Haus der Evangelischen Studentengemeinde vervielfältigen deutsche und griechische Helfer fieberhaft Aufrufe und Dokumentationen: Spenden sollen das Geld für einen Verteidiger zusammenbringen.

Im etwas erhöhten Hauseingang an der Straße sitzt ein Grieche hinter einem Tischchen mit Flugblättern. Die Haustür ist mit eilig beschriebenen Plakaten behängt, die den Hamburgern erklären sollen, was hier vorgeht. Viele gehen achtlos vorbei. Liegt für sie Griechenland "fern in der Türkei"? R. H.