Mit einer neuen internationalen Hilfsaktion soll das britische Pfund nochmals gestützt und damit das Weltwährungssystem stabilisiert werden. Zwölf Notenbanken und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich haben sich am Wochenanfang bereiterklärt, Großbritannien für zehn Jahre einen Bereitschaftskredit von zwei Milliarden Dollar zu geben. Dadurch soll vor allem verhindert werden, daß die in London unterhaltenen ausländischen Pfundguthaben abgezogen werden und die Bank von England weitere Devisenverluste erleidet.

Frühere Schwächen des Pfundes hatten jedesmal zu größeren Abhebungen von Guthaben geführt und dadurch die Krise noch verschärft, weil der Gegenwert jeweils in Dollar von der britischen Devisenkasse abfließt. Zweimal nach dem Krieg, nämlich 1949 und 1967, mußte London deshalb das Pfund abwerten.

Für Premierminister Wilson bedeutet der Kredit im Kampf gegen die schleichende Pfundkrise einen wichtigen, wenn auch einsamen Erfolg. Denn innenpolitisch erlitt er wiederum eine Niederlage. Ray Gunter, Minister für Energiefragen und wichtiger Verbindungsmann zu den britischen Gewerkschaften, trat zurück.

Gunter war bis zum Frühjahr Chef des Arbeitsministeriums, das nach der Regierungsumbildung in das Ministerium für Beschäftigung und Produktivität unter Barbara Castle aufging. Er ist der fünfte Minister in zweieinhalb Jahren, der sich von Wilson wegen Differenzen über Regierungsstil und -politik trennte.