Von Jürgen Rottgardt

Dr. Jürgen Rottgardt ist zentraler Entwicklungsleiter und stellvertretendes Vorstandsmitglied der Standard Elektrik Lorenz AG, Stuttgart.

Die Diskussion über die Unterschiede im industriellen Führungsstil zwischen der Bundesrepublik und den USA ist – nicht zuletzt durch das Buch von Servan-Schreiber "Die amerikanische Herausforderung" – zur Zeit wieder höchst aktuell.

Servan-Schreiber gibt eine ausgezeichnete Definition für "Management": "Das Management ist die schöpferischste aller Künste. Es ist die Kunst, Talente richtig einzusetzen. Seine Rolle liegt im intelligenten Reagieren auf Veränderungen. Durch modernere und wirksamere Methoden der Zusammenarbeit kann man das soziale, wirtschaftliche, technologische, politische Leben und alle Veränderungen im menschlichen Bereich rationeller organisieren und auf die gesamte Gesellschaft verteilen."

Diese Definition besagt, daß Management sich nicht nur auf die Führungsfunktionen eines industriellen Unternehmens, sondern auch auf alle Bereiche der menschlichen Gesellschaft, einschließlich Politik und Wissenschaft, bezieht. Wenn man an Stelle des Wortes "Management" Führungskunst setzt, wird dieser Gedanke noch klarer.

Weitere wesentliche Aussagen sind in diesem Zusammenhang: Der richtige Einsatz der Talente; das intelligente Reagieren auf Veränderungen; modernere und wirksamere Methoden der Zusammenarbeit.

Anders ausgedrückt bedeuten diese drei Punkte: einwandfreie Menschenführung, Flexibilität, Anpassungsfähigkeit, Teamarbeit, die weitgehend frei von traditionsgebundenem Denken ist. Die oben genannten Kriterien werden eher Amerikanern zugeordnet als Deutschen. Letztere werden ja in Beurteilungen von Außenstehenden gern als Befehlende beziehungsweise Befehlsempfänger, als stur und dickköpfig sowie als autoritätsgläubig bezeichnet. Selbstverständlich sind solche generalisierenden Vergleiche unzulässig – ein Quentchen Wahrheit steckt jedoch in ihnen.