"Juristen-Jahrbuch"; unter Mitarbeit verschiedener Institutionen, herausgegeben von Ministerialdirektor i. R. Prof. Dr. Gerhard Erdsiek; 8. Band 1967-68; Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln-Marienburg; 301 Seiten, Leinen 35,– DM; für Studenten und Referendare 19,– DM.

Auch der 8. Band zeigt in Aufbau und Einteilung keine nennenswerten Änderungen", schreibt der Herausgeber im Vorwort. So ist es. Neu ist nur, daß diesmal alle Autoren den Professorentitel tragen.

Auf einen rechtshistorischen Artikel über Joseph von Sonnenfels und die Abschaffung der Folter (Hermann Conrad) folgen vorzügliche Darstellungen moderner Entwicklungen im Sachenrecht, Schuldrecht und Arbeitsrecht, in denen über die dogmatischen Fragen hinaus auch die Rechtspraxis berücksichtigt und die Rechtsfortbildung bedacht wird (Gerhard Erdsiek, Fritz Baur – nicht zu verwechseln mit dem Frankfurter Generalstaatsanwalt – und Helmut Georg Isele). Klemens Pleyer setzt die Reihe seiner informativen Abhandlungen zum Recht der Deutschen Demokratischen Republik fort mit einem lesenswerten Beitrag "Zum Verhältnis von Zentralplanwirtschaft und Zivilrecht". Trotz aller Verschiedenheiten sieht Pleyer für eine gewisse Zeit noch die Möglichkeit der Wiederannäherung des Rechts in Ost und West – jedenfalls soweit es an den Juristen liegt.

Werner Sarstedt, der dem Berliner Strafsenat des Bundesgerichtshofes präsidiert, kritisiert eine fragwürdige Geschäftsverteilungspraxis der Gerichte und zugleich den Großen Zivilsenat seines eigenen Gerichts, der sie gebilligt hat. Seine Bemerkungen zum Thema "Der Vorsitzende im Kollegialgericht" wird man in der Diskussion um die Justizreform bedenken müssen. Erwin Stein und Werner Weber behandeln Spezialthemen aus dem öffentlichen Recht. In einem 40 Seiten starken Anhang sind wieder die neuesten Entscheidungen der höheren Gerichte zusammengestellt, die über das Jahr hinaus Bedeutung haben. Am Schluß folgen wie immer nützliche Verzeichnisse und Statistiken.

Die repräsentative Ausstattung zwingt zu einem Preis, der viele potentielle Käufer abschreckt. Um der verdienten Resonanz willen muß man dem Juristen-Jahrbuch wünschen, daß es billiger wird – und darüberhinaus noch aktueller und politischer. Ein Artikel über die Nazi-Prozesse etwa ist erst für den nächsten Band vorgesehen. "Aufbau und Einteilung" brauchten bei einer Neugestaltung, die zum Zehn-Jahres-Jubiläum wohl fällig wäre, nicht ganz umgekrempelt zu werden, aber auf jeden Fall sollten Rechtspolitik und Rechtssoziologie einen höheren Rang erhalten. H. P. B.