Der Balance Akt, der Prag aufgezwungen ist, um die innenpolitische Reform fortzuführen, ohne dabei eine offene Intervention der Sowjets herauszufordern, stellt die Fortschrittlichen vor immer schwierigere Probleme.

Elf regionale Parteitage, die 2000 Delegierte für den außerordentlichen KPKongreß im September wählten, stellten sich hinter Alexander Dubcek. Sie wünschen die weitere Demokratisierung. Hingegen äußerten Moskau, Warschau, und Ostberlin, wie Parlamentspräsident Smrkovsky auf einer Parteiveranstaltung mitteilte, in Briefen ihre Befürchtung, der Demokratisierungsprozeß könne der tschechoslowakischen KP Führung aus der Hand gleiten.

Das Präsidium der Prager KP strebt deshalb neue Zusammenkünfte mit den Parteien der Sowjetunion, Bulgariens, Ungarns, Polens und der DDR an, um die innenpolitische Entwicklung in der CSSR nochmals zu erläutern.

hatte Mitte voriger Woche auf einer Kundgebung der sowjetisch ungarischen Freundschaft mit dem Budapester KPChef Kadar eine unmißverständliche Warnung an die Adresse Prags gerichtet "Bei aller nationalen Spezifik dieses oder jenes Landes", erklärte er in einer Rede, "werden wir niemals gleichgültig sein gegenüber dem Schicksal des sozialistischen Aufbaus in anderen Ländern " Als "unveränderliche Grundlagen" des Sozialismus nannte er das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln und die führende Rolle einer kommunistischen Partei, "die sich konsequent vom Marxismus Leninismus und vom proletarischen Internationalismus leiten läßt".

Versammlungen, so behauptete das Moskauer Parteiorgan "Prawda", hätten Bürger der Sowjetunion sich über die "Angriffe antisozialistischer und antisowjetischer Elemente auf die sozialistische Ordnung" in der CSSR beunruhigt gezeigt. In Prag und in der Provinz wurden Flugblätter gefunden, die prominente Vertreter des neuen Kurses mit antisemitischen Parolen angriffen. Eine gewisse Ermutigung für konservative Kräfte stellt noch immer die Anwesenheit der Streitkräfte dar, die in der CSSR an einem Manöver des Warschauer Paktes teilgenommen hatten. Verteidigungsminister Dzur berichtete Anfang dieser Woche, es seien erst 35 Prozent der ausländischen Truppen abgezogen worden. Der sowjetische Parteichef Breschnjew In einer Flut von Leserbriefen und