Saarbrücken

Was Christian Graf von Krockow, Inhaber des Lehrstuhls für Theorie und Soziologie der Politik an der Universität des Saarlandes, mit dem Sommersemester in einer Vorlesung wissenschaftlich begonnen hatte, führte er gegen Semesterschluß praktisch zu Ende: die Auseinandersetzung mit "konservativem Denken und konservatiPolitik". Der Politologe – laut Rektor Maihofer "nicht einmal" als Sozialist, sondern "allenfalls" als Erzliberaler zu bezeichnen – nahm sich die "Göttinger Sieben" zum Vorbild, ließ seinen christlich-demokratischen Dienstherrn und Landesvater, Ministerpräsident Franz-Josef Röder, wissen, daß es ihm "absolut unerträglich" sei, noch ein Gehalt als Landesbeamter anzunehmen, und bat um seine Entlassung. Seit Anfang Juli nun müssen seine Studenten auf politische Theorie verzichten – die Praxis wird dafür um so heftiger diskutiert.

Zurückzuführen ist diese Belastungsprobe zwischen Regierung und Universität auf angebliche Kritik Röders an angeblichen Äußerungen Krockows während einer Studentenkundgebung gegen die Notstandsgesetzgebung, die Ende Mai stattgefunden hatte.

Auf den "gefährlichen Boden des antidemokratischen Agitators" abgleiten sah der Chefredakteur der bischofseigenen "Saarbrücker Landeszeitung", Franz-Lorenz von Thadden, den Politik-Professor während dieser Veranstaltung. Diese Tatsache veranlaßte damals zwar weder seine Redakteure noch die einer anderen saarländischen Zeitung, über Krockows Rede zu berichten, wohl aber Chefredakteur Thadden, fast 14 Tage später den Ministerpräsidenten auf der Routine-Landespressekonferenz zu einer Stellungnahme zu "drängen".

Ob Röder die Absicht merkte und verstimmt war, weiß nur er allein. Mit dem Hinweis, daß er über den Inhalt der Krockow-Äußerungen nicht hinreichend informiert sei, lehnte er die gewünschte Stellungnahme jedenfalls zuerst ab. "Nach weiterem Drängen" sagte er dann allerdings doch, was die "Saarbrücker Zeitung" am nächsten Tag unter der Schlagzeile "Scharfe Rüge Röders für Professor von Krockow" zusammenfaßte.

Da die Äußerungen im Wortlaut nicht vorliegen. ist man gezwungen, sie aus zum Teil unterschiedlichen Presseberichten, Berichtigungen und offiziellen Stellungnahmen zusammenzusetzen. Danach scheint festzustehen, daß Röder...

... es "völlig verantwortungslos" nannte, wenn zur Herstellung "französischer Zustände" im Sinne von Generalstreik, Demonstrationen, Verwüstungen und Zerstörung fremden Eigentums aufgerufen worden sei,