Von Petra Kipphoff

Von Tennis war gewiß auch die Rede beim diesjährigen "Lawn Tennis Championship Meeting" in Wimbledon, aber die Fachleute kamen kaum recht zum Zuge. Hauptgesprächsthemen waren nicht die wahrlich ein Gespräch werte Backhand von Rod Laver oder die Frage, wann endlich Mrs. Jones ihr müdes Service einmal etwas aufpolieren wird, Thema Nr. 1 war "Open Wimbledon und alles, was damit zusammenhängt: Was für einen Vertrag hat Laver? Ist Okker schon von McCall eingekauft worden? Wann werden die Professionals auch im Davis-Cup mitspielen dürfen?

In England, das zwar sein Empire, aber durchaus nicht die essentials des "English Kay of life"oder seine nationalen Charakteristika eingebüßt hat, wurde der Edel-Farce, zu der die Turniere des nicht mehr ganz blütenweißen Sports herabgesunken waren, ein Ende gemacht und im April dieses Jahres das erste offene Tennisturnier der Welt veranstaltet: In Bournemouth gewann der Profi Ken Rosewall die ersten für Profis und Amateure offenen Meisterschaften.

Damit hat das Chaos zwar erst angefangen, denn der Sand innerhalb dieses neuen Tennisgetriebes ist noch unüberhörbar, andererseits aber ist hier endlich eine Basis geschaffen, die den Realitäten der Situation im Jahre 1968 Rechnung trägt. Die Zeiten, da man, wie einst Gottfried von Gramm, einen zum Nachteil des Gegners verschiedsrichterten Ball freiwillig mit einem überflüssigen Doppelfehler beantwortete, sind, zusammen mit des Freiherren langen Flanellhosen, passé. Ein Punkt ist heute Bargeld.

Die Revolution der Engländer

Die Engländer, die in ihrem "All England Club" bereits vor neun Jahren eine Resolution eingebracht hatten, daß Wimbledon für alle Spieler offen sein solle, legten ihre Vorschläge dem Internationalen Tennisverband sieben Jahre lang immer wieder auf den Tisch. Nachdem sie aber im Oktober 1967 wiederum nicht weiterkamen und mit 139 zu 83 überstimmt wurden, machten sie einfach nicht mehr mit. Am 14. Dezember beschlossen sie, mit Wirkung vom 22. April 1968 (das heißt dem Turnier in Bournemouth) nach eigenen Tennisgesetzen zu leben.

Der Sturm im Wasserglas blieb nicht aus, Verbandspräsident de Stefani drohte den Teilnehmern mit Sperrung für alle nicht-englischen Turniere, aber auf einer eilig einberufenen Sondersitzung in Paris flickte der in zwei Parteien zerfallene Tennisverband sich selber wieder notdürftig zusammen. Englands Satzungsänderungsvorschläge wurden grundsätzlich akzeptiert, in Details aber fing man die so unangenehm realistisch bis radikal denkenden Engländer ab, um sich hie und da noch einen kleinen Flitter vom alten Schein zu bewahren.