Entweder wußten Hamburger Bürgerschaft und Senat nicht, was sie taten, als sie Egon Monk zum Intendanten des Deutschen Schauspielhauses bestellten – oder sie wußten nicht, was sie redeten, als sie Monk noch vor seinem Amtsantritt mit warnenden Tadel- und Drohworten bedachten.

Monk hatte seine Unterschrift unter ein Flugblatt gesetzt, mit dem im Schauspielhaus gegen die Notstandsgesetze protestiert werden sollte. Und schon hatte Hamburg einen "Fall Monk".

So fand Paul Nevermann: "Das ist schlimm für die leitenden Herren des Schauspielhauses. Wir wollen in Hamburg nicht wieder erleben, daß leitende Herren des Schauspielhauses ihre private Meinung mit ihrer beruflichen Stellung verquicken und so als Störung in das Hamburger Theaterpublikum hineintragen."

Noch kühnere Nutzanwendungen zog der CDU-Abgeordnete Imhoff aus der Monk-Unterschrift: "Man muß befürchten, daß im Schauspielhaus bald ein künstlerischer Notstand ausbrechen wird. Man sollte Monk doch bitten, seinen Spielplan noch einmal zu überprüfen."

Da die Notstandsgesetze, gegen die zu protestieren Monk sich erkühnt hatte, schon in Kraft getreten sind, kann man die nach Dirigismus klingenden Vorwürfe gegen Monk nur so verstehen, daß ihm klargemacht werden soll, manche Politiker in Hamburg erwarteten von Monk eine Theaterarbeit, die zu beenden er doch eigentlich unter Vertrag genommen wurde.

Die säuberliche Trennung von privater Meinung und mundtoter öffentlicher Schauspielhausführung ist eine Chimäre, der wir unter anderem die weitverbreitete Bedeutungslosigkeit des deutschsprachigen Theaters verdanken. Und das Vermeiden von jedweder Störung des pp. Theaterpublikums führt zu jenem Bühnenschlaf der Welt, an den zu rühren – so stand zu hoffen – Monk bei seiner Wahl von Hamburgs Bürgerschaft ins Auge gefaßt worden war.

Hier gewinnt der "Fall Monk" auch überlokale Bedeutung: In jüngster Zeit nämlich begannen an manchen Bühnen, die sich doch Städte und Länder als Tummelplatz der vielgepriesenen kulturellen Freiheit und gesellschaftskritischer Aufklärung zugelegt hatten, Leute mit diesen in Feiertagsreden oft gepriesenen Idealforderungen ernst zu machen. Prompt reagierten die Stadtväter. So hatte man nicht gewettet. Das Theater, das sich in Sonntagsreden so häufig als "Ort fruchtbarer Unruhe" gepriesen sah, wurde in jüngster Zeit immer dann rasch zur Ruhe vergattert, wenn es daranging, die Unruhe auch wirklich zu verbreiten.