Das Motto der 4. Vollversammlung des ökumenischen Rates der Kirche, die in der schwedischen Universitätsstadt Uppsala tagt, lieferte der ehemalige Generalsekretär des Weltkirchenrates, der Holländer Visser’t Hooft. In seinem Eröffungsreferat erklärte er: "Uns muß klar werden, daß Christen, die ihre Verantwortung für die Bedürftigen in irgendeinem anderen Teil der Welt praktisch leugnen, ebenso der Ketzerei schuldig sind wie diejenigen, die eine andere Glaubenswahrheit verwerfen."

Fragen des Rassismus, der Stellung der Kirche zur Dritten Welt, der "Theologie der Revolution" und der Annäherung zwischen Rom und Genf, dem Sitz der Weltkirchenrates, stehen im Mittelpunkt der sechs Arbeitsgruppen.

Zum Thema des Rassenhasses sagte der amerikanische Negerschriftsteller James Baldwin, neben dem sambesischen Staatspräsidenten Kenneth Kaunda einer der prominentesten Redner in Uppsala Letzten Endes gehe es nicht um Hilfe der Weißen für die Farbigen, sondern die Weißen sollten sich selbst helfen, ihre Menschlichkeit durch eine menschliche Haltung in der Rassenfrage zu retten.

Aufsehen erregte auch das freimütige Bekenntnis des Titularbischofs Willebrands vom Römischen Sekretariat zur Förderung der Christlichen Einheit: "Manchmal fühle ich mich den christlichen Brüdern in anderen Kirchen näher verbunden als einigen Mitgliedern meiner eigenen Kirche, weil sie die Zeichen der Zeit noch nicht erfaßt haben."

Dem Weltrat gehören heute 235 orthodoxe, anglikanische und protestantische Mitgliedskirchen an. An der 4. Vollversammlung nehmen außer den 750 Delegierten über 500 offizielle Gäste teil, darunter eine starke Gruppe katholischer Vertreter.