Von Wolfgang Boller

Das Abschiedslächeln auf dem sonnenverbrannten Gesicht wurde um Schattierungen trauriger. Doch aus den Augen von der Farbe schwarzer Oliven war es mit einem Schlag verschwunden. Ich war entschlossen, nicht mehr nach Griechenland zu reisen, solange die Diktatoren an der Macht sind. Und ich hatte es ihm gesagt, meinem griechischen Freund Niko. "Wir werden uns vielleicht lange nicht mehr wiedersehen." Er sah mich an, als hätte ich ihn an seine Feinde verraten. "Du mußt zu deinen Freunden kommen", sagte er. Und achselzuckend: "Diktatur... Du bist hier frei. Und ich bin frei. Wir können hingehen, wohin wir wollen."

Er hatte ja recht. Aber darum ging es nicht. Ich dachte daran, wie wir vor vielen Jahren über den Stymphalischen See gerudert waren und mittags in den Thymianbergen mit den Hirten frisches Brot und Schafskäse gegessen hatten. Ich lachte noch und klopfte ihm auf die Schulter. "Vielleicht dauert es ja nicht lange." Und ich wiederholte, was ich von Feinden der neuen Regierung über die Obristen hatte sagen hören: "Sie haben nicht viel Brot." Und das bedeutete: Sie leben nicht lange. Aber mein Lachen klang nicht froh, weil ich nicht daran glaubte. Trotzdem dachte ich, ich könnte zu ihrem Sturz beitragen, so wie einer hofft, zum Sieg einer Partei beizutragen, wenn er zur Wahlurne geht.

Der Gedanke war mir unerträglich: Die Griechen, die für ihre Freiheit Ströme von Blut vergossen haben, nun unter der Diktatur einer Handvoll muffiger Militärköpfe – als überzähliger sechster Akt der griechischen Tragödie. Ich war entschlossen, nicht mehr wiederzukommen.

Das war vor einem Jahr. Inzwischen habe ich meine Meinung über die Berechtigung eines Touristenboykotts geändert. Ich bin doch wieder nach Griechenland gefahren. Und ich werde es immer wiedertun.

Ich reiste auf Einladung der Olympic Airways. Die Funktionäre des griechischen Tourismus sind von Nervosität befallen: Die Ruhe ist vollkommen, die Ordnung ist vorbildlich, und das Meer ist blau wie eh und je. Doch die Strände sind leer.

"Wir bedauern, daß in Ihrem Land etwas erzählt wird, was den Tourismus nach Griechenland verhindert und was nicht wahr ist", sagt Evangelos Evangeliou, der neue Bürgermeister von Kavala in Nordgriechenland. "Der Boykottaufruf von Andreas Papandreou hat unserer Stadt nicht geschadet. Unsere Freunde sehen: Griechenland ist der ruhigste Staat in ganz Europa." Das ist das Klischee jeder offiziellen Äußerung, wiederkehrend auch auf einem Flugblatt des Verbands der Griechen in Deutschland "Nationale Wiedergeburt": Ein Volk wird diffamiert. Dies ist die Lesart: Griechenlands Feinde sind angetreten, um das Land in ein Chaos zu stürzen und den Kommunisten in die Hände zu spielen. Die Feinde sind Melina Mercouri ("...hat nur Männer im Sinn"), Andreas Papandreou("... hat nie in Griechenland gelebt, kennt die Griechen nicht, lügt"), der Komponist Theodorakis (" ... feiert Orgien") und das internationale Kommunistentum.