Die Hoteliers an der Côte d’Azur sehen wieder mit Zuversicht in die Zukunft. Der Sieg der Gaullisten bei den letzten Wahlen läßt sie hoffen, daß die ausländischen Touristen wieder den Weg nach Nizza und Cannes finden.

Aber die Mai-Unruhen wird man nicht so schnell vergessen; denn kaum zuvor in der Geschichte dieser Region hatten ausländische Touristen so plötzlich die Flucht ergriffen. Anfang Mai waren die Hotels zu 50 bis 60 Prozent besetzt und die Reservierungen für Ende Mai und Juni liefen gut und waren um 15 Prozent höher als im Vorjahr. Das Jahr 1968 verhieß ein gutes Geschäft.

Die Mai-Unruhen aber brachten einige kleine Hotels an den Rand des Ruins. Veranstaltungen, die für Mai und Juni angekündigt waren, fanden nicht statt. Nur die Engländer wagten, nach Frankreich zu reisen.

Selbst die großen Hotels, zum Beispiel das Hotel Negresco in Nizza oder das Grand Hotel in Cannes, verbuchten Verluste. Einige Tage lang arbeitete das Hotel Negresco mit nur 20 Angestellten und hatte nur 16 Gäste statt 335. Im Gegensatz zu vielen anderen Hotels der Riviera wurde im Negresco nicht gestreikt. Der Inhaber dieses Hotels, Rechtsanwalt Paul Augier hat schon lange – ohne Druck – Sozialleistungen gewährt, die jetzt von den Gewerkschaften für alle Hotelangestellten gefordert werden. Die Angestellten des Negresco erhalten zum Beispiel vier Wochen Urlaub, und die Gesamtsumme der Trinkgelder wird unter den Angestellten verteilt. Als die Unruhen in Frankreich anfingen, schickte der Hotelier die meisten Angestellten in Urlaub.

Paul Augier, Vorstandsmitglied der Gesellschaft Société des Bains de Mer, einer Gesellschaft, die das Wirtschaftsleben von Monte Carlo bestimmt, macht geltend, daß die französische Regierung jetzt der französischen Hotellerie noch mehr helfen muß:

  • Die französische Regierung soll die Benzin-Gutscheine für Ausländer, die vor einigen Jahren abgeschafft wurden, wieder einführen.
  • Die Steuerermäßigung für den Kauf von französischen Luxusartikeln mit Devisen soll in ihrer alten Form wieder gewährt werden.

So hofft die Hotellerie, daß die ausländischen Touristen den Weg wieder nach Frankreich finden werden und ganz besonders an die Côte d’Azur, die schon seit einigen Jahren mehr und mehr ausländische Touristen verliert.