Von A. J. Liehm

Was glauben Sie, wie es ausfallen wird? Wo ist die größte Gefahr? Was wird eigentlich geschehen? Weiß überhaupt jemand, wie die Tschechoslowakei in zwei Jahren aussehen wird? Wenigstens einigermaßen?

Solche Fragen hört man täglich von vielen Seiten. Viele Frager sind aus dem Ausland. Alle wollen das gleiche wissen. Denn in den Wort- und Redeschwällen, Erklärungen, Manifesten und Beschlüssen verliert sich immer mehr die Landkarte, auf der Weg und Ziel aufgezeichnet werden sollen. Wobei aber alle, auch die, die sich am meisten danach sehnen, wissen, daß diese Antworten weder einfach noch leicht sind, daß es keine Parole gibt, die alles umfaßt und alles löst.

In unserem Lande geht es vor allem um das Vertrauen, um das Gefühl einer ruhigen Sicherheit, daß mit den Menschen kein Spiel getrieben wird, daß mit der Nation wie mit einem Erwachsenen gesprochen wird, dem man mit dem Bleistift in der Hand sagen kann: Setz dich hin und rechne mit mir –

Ich glaube, daß sich nicht viel geändert hat. Und am wenigsten hat sich der Jargon geändert. Warum? Warum klingen die Beschlüsse und Appelle immer gleich, obwohl sie jeweils etwas anderes oder mindestens etwas verschiedenes bedeuten? Warum sieht alles so aus, als ob es der Parteileitung vor allem darum ginge, den Apparat zu beschwören? Vielleicht, weil es zwanzig bis vierzig Jahre lang so war und weil man es fast für unschicklich, wenn nicht gar für Verrat ansieht, die Dinge beim richtigen Namen zu nennen.