Für uns ist 1968 ein Jahr der Grenzüberschreitung", verkündete BMW-Chef Gerhard Wilcke dieser Tage stolz vor der Presse. In Milbertshofen hat man große Pläne: Die Automobilproduktion soll in diesem Jahr die Hunderttausendergrenze überschreiten. Zugleich ist BMW sicher, daß man nun endlich über die erste Umsatzmilliarde hinausgelangt. Immerhin war das Unternehmen diesem Meilenstein mit seinem Konzernumsatz – einschließlich Glas 955 Millionen Mark – schon recht nahe gekommen.

Für 1968 sieht der Produktionsplan vor: 65 000 Wagen vom Typ 1600, 40 000 Mittelklassewagen (1800/2000) und 3000 Sechszylinder (BMW 2500). Angesichts der großen Nachfrage – zur Zeit bestehen Lieferfristen zwischen drei und sechs Monaten – ist man bei BMW sicher, daß diese Ziele verwirklicht werden können. Das Unternehmen gehöre schließlich zu den deutschen Autoproduzenten, die von der Rezession des Jahres 1967 unberührt blieben, läßt man die notleidend übernommene Hans Glas GmbH einmal außer Betracht. Lediglich ein verlangsamtes Umsatzwachstum (15,2 gegenüber 28,0 Prozent) böte ein Indiz für Ausstrahlung der Rezession.

Von der auf 87 600 (Vorjahr 74 100) Fahrzeuge erhöhten Produktion entfielen 1967 bereits 38 600 auf den 1966 neu aufgelegten kleinen 1600er. Demgegenüber sank die (verkaufte) Produktion der "Mittelklasse" (1800/2000) von 58 000 auf 43 700 Wagen. Möglicherweise ist das einer der Gründe, weshalb diese Typengruppe nach den Betriebsferien in abgewandelter Ausführung präsentiert werden soll. Dessen ungeachtet weist BMW mit 22,2 Millionen Mark den höchsten Jahresüberschuß seiner neuen Ära aus.

Das ist um so bemerkenswerter, als man in diesem Jahr die Übernahme der verlustträchtigen Hans Glas GmbH zu verkraften hatte. Daß sich die Aktionäre dennoch mit der Vorjahresdividende von 12 Prozent zufriedengeben mußten, hängt mit den geplanten "Grenzüberschreitungen" zusammen: Das Investitionsbudget ist für die nächsten drei Jahre (einschließlich 1968) auf 400 Millionen Mark veranschlagt. Konkretes Fernziel dieser Aufwendungen ist eine Tagesproduktion von 750 Wagen bis Ende 1970.

Mit dieser Expansion würden allerdings auch die Grenzen der finanziellen Möglichkeiten überschritten. Spätestens. 1970, so betonte Gerharc Wilcke, braucht das Unternehmen neue langfristige Mittel. Ob dann die Aktionäre zur Kasse gebeten werden, oder man den Anleihenmarkt anzapfen wird, ist eine Entscheidung, die beim Großaktionär Quandt fallen dürfte. gr