In der Bundesrepublik neigen sich die Goldgräberzeiten für ausländische Investment-Fonds ihrem Ende zu. Die hearings zu dem Gesetzentwurf über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile und zur Änderung und Ergänzung des Gesetzes über Kapitalgesellschaften sind jetzt abgeschlossen. Nun hat der Gesetzgeber, der Bundestag, das Wort. Inwieweit er sich an den Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums halten wird, bleibt abzuwarten. Es ist anzunehmen, daß die Lobby noch einiges geändert haben möchte, obgleich den Auslandsfonds keineswegs ein unzumutbar enges Korsett angelegt werden soll. Nach dem Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums werden nur jene "Freiheiten" bei den Ausländern beseitigt, die der deutsche Gesetzgeber den inländischen Fonds auch nicht gestattet.

In dem neuen Gesetz soll das Verbot sogenannter Dachfonds verankert werden. Das hat in Kreisen der Investment-Sparer einige Unruhe hervorgerufen. Viele von ihnen haben sogenannte Sparverträge mit dem wohl prominentesten Dachfonds, dem "Fund of Funds" der Investors Overseas Services (IOS), abgeschlossen. Sicher ist bisher nur eines: Kein Neuverkauf von Fund-of-Funds-Anleihen nach Inkrafttreten des Gesetzes. Ob man sich zu einem planmäßigen Auslaufen der Sparverträge entschließt oder ob man die ausländischen Investment-Gesellschaften zwingen wird, den Sparern das Angebot zu machen, ihre Verträge auf einen Fonds umzuschreiben, der den neuen deutschen Bestimmungen Rechnung trägt, bleibt abzuwarten. Um allen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, empfehle ich, auf Neuabschlüsse mit Dachfonds ab sofort zu verzichten.

Ebenso einschneidend wie das Verbot von Dachfonds ist die Vorschrift, wonach keine Anteile von Fonds angeboten werden dürfen, denen es die Satzungen gestattet, Kredite aufzunehmen oder durch sogenannte "Leerverkäufe" die spekulativen Chancen zu erhöhen. Bei Leerverkäufen werden Aktien verkauft, die der Fonds nicht in seinem Besitz hat, von denen er aber annimmt, sie nach Ablauf einer gewissen Zeit billiger zurückkaufen zu können. Eine beliebte Variante der Baisse-Spekulation ...

Gerade in letzter Zeit sind die Spekulationsfonds förmlich aus dem Boden geschossen. Ihren Sitz haben sie in Ländern und Staaten, die kein einengendes Investment-Gesetz kennen. Von dem Verbot der Kreditaufnahme werden viele in der Bundesrepublik tätigen Fonds betroffen. Diese Fonds stehen jetzt vor der Frage, entweder ihre Anlagepolitik zu ändern also auf gewisse Spekulationen zu verzichten, oder den Vertrieb ihrer Anteile in der Bundesrepublik einzustellen.

Nun ist, meine verehrten Leser, ein spekulativ eingestellter Fonds an sich keineswegs etwas Verwerfliches, wenn auch seine Anlagepolitik nicht mit den auf Sicherheit und Risikoverteilung beruhenden Anlagevorstellungen deutscher Fonds übereinstimmt. Warum sollen Leute, die es sich leisten können, sich nicht zu "Spekulationsgemeinschaften" zusammenfinden dürfen?

Die Folge des Verbots wird nach meiner Ansicht sein, daß zwar der Vertrieb von Anteilen spekulativer Fonds und Dachfonds bei uns verboten wird, daß aber alle Leute, die an diesen Fonds interessiert sind, Mittel und Wege finden werden, Anteile dieser Fonds im Ausland zu erwerben.

Eine Bestimmung, die den Vertriebsgesellschaften wehe tun wird: Bei Sparprogrammen dürfen im ersten Sparjahr nur bis zu einem Drittel der Gesamtspesen von den geleisteten Zahlungen abgezogen werden. Bislang gingen einige Auslandsfonds bis zu 50 Prozent der Zahlungen, was bedeutete, daß ein Sparer, der aus irgendwelchen Gründen sein Sparprogramm nach Ablauf des ersten Jahres aufgeben mußte, die Hälfte der eingezahlten Summe verlor. Die hohe Anfangsbelastung resultiert aus der Notwendigkeit, die Vertreter der Fonds mit guten Provisionssätzen zu füttern.