Berlin

In Arenz, eine Dame von korsettierter Stattlichkeit, einem Lachen und einer Laune, woran man erkennen kann, daß die schönsten Jahre in der Lebensmitte liegen, sah die Lücke und gründete im vergangenen März den Klub.

Denn viele haben einen Affen, sie wollen ihn zeigen, über ihn sprechen und möchten Erfahrungen wie diese tauschen: "Baden Sie Ihren, oder bürsten Sie ihn nur?" Deutschlands einzige Vereinigung der Affenhalter gab ein "Affenfestival" in der Berliner Marokko-Bar. Das auf Afrika und Dunkelheit abgestimmte Etablissement hatte mit freundlichen "P.O.A-Grüßen" eingeladen. P.O.A. heißt Pinselohraffe, eine niedere, den Krallenaffen zugerechnete Art, auch Weißstirnäffchen genannt.

Der Sonntag war von jener angenehmen Frische, man hatte zu gleichen Teilen Brise und Sonne. Nur in der Marokko-Bar war es so, daß sich der Volksmund zu dem Wort "Affenhitze" hinreißen ließ. Viele Pinselohraffen saßen auf den Lampen und auf solchen Gegenständen, die ein; Bar wie diese "Marokko" heißen lassen. Für den geladenen Neuling der Vereinigung der Affenfrejnde war es schwer, die Affen gleich auszureichen, weil diese freie Wildbahn feierten, Flaschen mit Tokayer umarmten, sich versteckten und Dekorationen als Schilde vor sich hielten. Inmitten der turnenden Affen blieb nur Iri Arenz ruhig und erinnerte an den Anlaß dieser Zusammenkunft: "Kinders, laßt sie, es ist doch Affen-

In der zoologischen Bestimmung ihrer Tiere waren die Männer firmer als die Frauen. Viele wußten, daß der Pinselohraffe aus Südamerika kommt. Einige waren topographisch so exakt und sagten nicht nur "Brasilien", sondern "Amazonas". Von einer Dame wurde die Frage, woher ihr Affe stamme, mit "Karstadt" beantwortet. Es werden dreißig gewesen sein in der Marokko-Bar, die nicht größer ist als ein Appartement der genügsamen Sorte. Vielfältig in den Charakteren: Am Amazonas geborene Importe waren Beißer, in hiesigen Zoohandlungen geglückter Nachwuchs zahme Freunde. So weint Herrn Marquardts Affe richtige Tränen, wenn ihn die Einsamkeit überkommt. Und Frau Konrad hört ihren aus dem vierten Stock herunter klagen, wenn sie zum "Krämer" geht. Marquardts geben ihrem einen Staubwedel mit in den Käfig, damit er ein flauschiges Gegenüber hat. Und wenn Herr Marquardt möchte, daß der Affe Freiheit spüren soll, überzieht Frau Marquardt ihre Sessel mit Schonbezügen: "Denn die da werden nie sauber." Man habe soviel Spaß wie Schmutz.

Photos wechseln die Hände: Affe badend, Affe hangelnd, Affe mit offensiv gezeigtem Oberkiefer. Man redet über die Beschaffenheit der Badeseife: "Dann mit den Fingerspitzen zweimal kräftig..." Fragen wie "Paaren sich Ihre?" oder "Auch noch nie gesehen?" Pinselohraffen haben kein jugendgefährdendes Benehmen. Ihre geschlechtliche Zugehörigkeit ist erst spät feststellbar.

Warum ein Affe? Die einen dürfen keinen Hund halten. Der P.O.A. ist ein Ausweg gegen tierfeindliche Hauswirtsordnungen. Dennoch mußte zum Beispiel Frau Braasch ihr Affenpaar einem Eigenheimbesitzer verkaufen, weil ein Vertreter ihrer Wohnungsbaugesellschaft einen Baumstamm mit zwei schwingenden Affen im Wohnzimmer als "übertrieben" ansah und in der Zentrale Meldung gab: "Zwei Affen in Wohnung Braasch vorgefunden." Hier muß gesagt werden, daß P.O.A. nur kleine Äffchen sind, kaum größer als Goldhamster: "Unserer klettert meinem Mann immer ins Sporthemd und guckt oben an der Knopfleiste wieder raus." Frau Braasch kam dennoch zum Festival. Sie bat sich ihr ehemaliges Eigentum als Leihgabe aus.