Ernesto "Che" Guevaras Tagebuch, Trikont Verlag, München; 200 Seiten, 3,– DM.

Der Guerilla-Krieg, der sich im vergangenen Jahr in Bolivien abspielte, war militärisch bedeutungslos. Die Höchststärke der Partisanen betrug 44 Mann, sie operierten abseits wichtiger Verbindungslinien in der unzugänglichen Wildnis des Rio Grande und stellten zu keiner Zeit eine ernsthafte Bedrohung der Regierung dar. Die Gesamtzahl der Todesopfer belief sich auf weniger als 100.

Erst die Rolle Che Guevaras als Organisator und Führer des Unternehmens verlieh dieser Episode ihre eminente politische Bedeutung, und erst sein nibelungenhaftes Ende ließ ihn zum Idol der rebellischen Jugend von Berlin bis Berkeley werden, obwohl er schon zu Lebzeiten ein prächtiges Vorbild für linke Non-Konformisten abgegeben hätte.

Jetzt, ein Dreivierteljahr nach der Ermordung des Revolutionspropheten, liegt sein bolivianisches Kriegstagebuch vor. Es umfaßt die letzten elf Monate seines Lebens und ist in mehrfacher Hinsicht eines der dramatischsten Dokumente dieser chaotischen Jahrhundertmitte. Es wurde nicht von der bolivianischen Regierung veröffentlicht, die das Original (einen deutschen Taschenkalender) in einem Panzerschrank der Armee verwahrt, sondern von Fidel Castro, dem zweiten Ich Guevaras. Die bolivianische Regierung hat inzwischen die Echtheit der veröffentlichten Photokopien bestätigt. Aber auch ohne dieses Eingeständnis hätte es keinen Anlaß gegeben, an der Authentizität zu zweifeln. Denn Guevaras Kriegstagebuch ist keine Propagandafanfare, sondern die nüchterne Chronik eines Untergangs.

Guevara begann das Unternehmen mit dem erklärten Ziel, ein neues Vietnam in Südamerika zu entzünden. Aber von Anfang an lief alles anders, als geplant: Sein Basislager wurde früh entdeckt, er mußte sich vorzeitig in die nahezu unbesiedelte Wildnis zurückziehen, seine Truppe war sofort von der Armee isoliert, die indianische Bauernbevölkerung machte keine Anstalten, sich der "Revolution" anzuschließen.

Guevara notierte am 30. April 1967: "Die Isolierung ist total. Keine einzige Person ist zu uns gestoßen. Die Mobilisierung der Bauern existiert nicht. Die Verbindung mit Kuba ist abgeschnitten. Der Aktionsplan in Argentinien ist gescheitert." Diese Sätze wiederholen sich in ähnlichen Formulierungen bis zum Ende.

In politischer Hinsicht bestätigen Guevaras Notizen bisherige Vermutungen und Gewißheiten: