Von Wolfgang Krüger

Bundeswirtschaftsminister Schiller, Kapellmeister der von ihm kreierten Konzertierten Aktion, trug seinen Gesprächspartnern den Plan vor, nun zu untersuchen, "wie Maßnahmen zur Stärkung der Investitionskraft der Wirtschaft mit Maßnahmen für eine breite Streuung des Produktivkapitals kombiniert werden können".

Schon bald, "möglichst Anfang 1969", wollen die drei interessierten Bundesministerien, Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsministerium, einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen. Und noch in diesem Herbst soll ein "Sofortprogramm" der Regierung verwirklicht werden.

Der Professor der Nationalökonomie wußte nicht, daß ein anderer Professor seines Faches just zur gleichen Zeit neue Gedanken zur Vermögensbildung beisteuerte. Fritz Burgbacher, einer der maßgebenden wirtschafts- und sozialpolitischen Köpfe der CDU und Generaldirektor der Rheinischen Energie AG, legte in der letzten Woche dem CDU-Präsidium das Ergebnis der halbjährigen Arbeit einer eigens hierfür eingesetzten Parteikommission vor.

Obwohl die Parteioberen die Themen "Vermögensbildung" und "Mitbestimmung" aus dem offiziellen Arbeitsprogramm der Großen Koalition bis zur Bundestagswahl ausgeklammert haben, werden dem Bundesbürger zum Auftakt des Wahljahres 1969 also zwei neue Pläne angeboten, wie dem westdeutschen Arbeitnehmer als Ergebnis seiner Arbeit neben dem Lohn noch ein Vermögenszuwachs beschert werden kann.

Wenige Tage vor den parlamentarischen Sommerferien hatten, sich die Minister Katzer, Schiller und Strauß auf das "vermögenspolitische Sofortprogramm" geeinigt, dessen Kernstück der "Bundessparbrief" ist – allerdings auf Drängen des Finanzministers ohne den Sozialbonus, den seine beiden Ministerkollegen gewünscht hatten.

Eine Zusatzprämie für Sparer mit kleinen Einkommen und eine Novelle zum 312-Mark-Gesetz sollen das nicht sonderlich attraktive Sofortprogramm abrunden, damit die Bundesregierung auf dem heißumstrittenen Felde der Vermögensverteilung nicht ganz mit leeren Händen dasteht, wenn es an den Abschied geht. Indes ist man sich auch in Bonn darüber klar, daß mit einer Sparförderung durch Prämien und Steuervergünstigungen allein die gewünschte nachhaltige Änderung der Vermögensstruktur zugunsten der Arbeitnehmer nicht erreicht werden kann.