Die Automobilindustrie der Bundesrepublik gilt, zusammen mit den zahlreichen Zuliefer- und Zubehörfabriken, als Schlüsselindustrie. Stehen einmal in einer der großen Personenwagenschmieden die Fließbänder still, spüren es die Hausfrauen am Geldbeutel – nicht nur in der betreffenden Stadt, sondern im ganzen Land.

Wenn weniger Autos verkauft werden, wie etwa bei dem Talsohlen-Ausflug 1966 und 1967, dann hat dies indessen nicht nur wirtschaftliche Gründe. Deutsche Kraftfahrer ziehen mehr und mehr Autos von jenseits der Grenzen vor. Der Anteil der Zulassung fabrikneuer Personenwagen aus ausländischer Produktion liegt gegenwärtig bei 17 Prozent. Die Tendenz ist steigend. Und wenn sie anhält, wofür alle Anzeichen sprechen, dann werden es bald 20 Prozent und in einigen Jahren 25 Prozent sein.

Das Hauptkontingent dieser friedlichen Invasion wird dabei von italienischen und französischen Wagen gestellt. So hat Fiat inzwischen die Zulassungszahlen von Daimler-Benz überflügelt. Und hätte man bei Renault nicht die Streikposten vor der Tür gehabt, hätte es diese Marke gleichfalls geschafft.

Vom deutschen wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen, kann diese Entwicklung nicht gerade heiter stimmen. Werden deutsche Autos am Inlandsmarkt vorbeigebaut? Nehmen wir das VW-Werk, Deutschlands größten Automobilhersteller (der Rang, Europas größter diesbezüglicher Produzent zu sein, mußte inzwischen Fiat überlassen werden): Über 60 Prozent der VW-Produktion muß im Ausland abgesetzt werden, nur auf 40 Prozent warten deutsche Käufer. Von Porsche verbleiben weniger als 20 Prozent im Inland. NSU setzt über die Hälfte seiner Kleinsten im Ausland ab, vornehmlich in Italien.

Man fragt sich, inwieweit das Problem dieser stillen Unterwanderung in unserer Automobilindustrie beachtet wird. Bisher argumentierte man reichlich vordergründig, daß italienische und französische Wagen bei uns unter den Preisen verkauft werden, die jenen im Erzeugerland entsprechen. So kursiert in der Automobilindustrie eine Tabelle mit der Indexberechnung der Preise in der Bundesrepublik, in Italien und in Frankreich.

Nimmt man für den Preis im Herstellerland einen Index von 100, dann wurden auf der Basis der gegenwärtigen Wechselkurse beispielsweise folgende Indexzahlen für bei uns verkaufte ausländische Wagen errechnet:

Peugeot 204 87 Fiat 850 91