Das Rektorat der Freien Universität Berlin hat am Montag bekanntgegeben: alle Studenten, die mit der Politik des Allgemeinen Studentenausschusses nicht einverstanden sind, können das dadurch bekunden, daß sie ihrer Vertretung das Geld entziehen. Sie können den in den Sozialbeiträgen enthaltenen Pflichtsatz von 9,50 Mark pro Semester für sich behalten.

Seinen Entschluß begründete das Rektorat damit, mehrere Studenten und studentische Gruppen hätten sich geweigert, die AStA-Gebühren zu bezahlen. Überdies laufe vor dem Verwaltungsgericht Berlin in dieser Sache bereits ein Verfahren. Die Beitragspflicht werde daher bis zur Klärung durch das Gericht ausgesetzt. In diesem Verfahren vertritt der Rektor der FU seine Studenten; es sieht so aus, als hätte er nichts dagegen, den Prozeß zu verlieren.

Aus den Gebühren der Studenten, im Semester rund 280 000 Mark, wird nicht nur der Haushalt des AStA, sondern auch die Arbeit der studentischen Fakultätsvertretungen bestritten. Und die Arbeit des AStA, dem sowieso schon vor einiger Zeit der 42 000-Marks-Zuschuß des Berliner Senats gestrichen worden war, besteht zur Zeit vor allem in der Unterstützung jener Studentenvertretungen – in Instituten, Seminaren und Fakultäten –, die sich für neue Satzungen und für Reformen auf der unteren Hochschulebene einsetzen. Der AStA gibt das meiste Geld für Papier aus: für Broschüren, Flugblätter und Zeitungen. Wenn auch nur die Hälfte der Studenten vom Angebot des Rektorats Gebrauch macht, dann ist diese Unterstützung empfindlich angeschlagen.

Das wird das Rektorat, dessen Entscheidung im übrigen die Studentenvertreter völlig überraschte, wohl auch beabsichtigt haben. Der Rektor, der sonst mit seinen Studenten nicht spricht, dreht ihnen schlicht den Geldhahn zu.

Damit allerdings hat er doch wohl sehr kräftig in ein "schwebendes Verfahren" eingegriffen: In dem weder durch Gesetz noch durch Übereinkunft zwischen den verschiedenen Angehörigen der Hochschule bisher geklärten Durcheinander über die Frage der Zwangskörperschaft und des politischen Mandats und darüber, ob die Studenten und ihre Vertretung nun eine Gliedkörperschaft der Universität seien oder nicht, hat er sich erfolgreich zwischen sämtliche juristischen Stühle gesetzt. Er hat sich gleichzeitig gegen die Zwangskörperschaft und gegen das Mandat ausgesprochen. Im selben Atemzuge aber hat er auch noch den studentischen Mitgliedern der Hochschule klargemacht, sie könnten sich, wenn sie wollten, auch als Nichtmitglieder der Studentenschaft betrachten. Wenn aber die Studenten nicht mehr Angehörige einer Zwangskörperschaft sind, dann müssen sie wohl oder übel über ihre Mitgliedschaft selbst entscheiden. Den Rektor geht das dann nichts mehr an – auch nicht auf dem Umweg über 9,50 Mark und über Anweisungen an die Universitätsbehörden. Hilke Schlaeger