Ein wesentliches Merkmal der zweiten großen deutschen Aktienhausse der Nachkriegszeit sind die regelmäßigen, bisher aber nur temporären Rückschläge, die sich nach einer gewissen Zeit flotter Aufwärtsbewegung einzustellen pflegen, wie bei der Echternacher Spring-Prozession: drei Schritte vor, einen zurück. Sie dämpfen den spekulativen Übermut und veranlassen die Vorsichtigen, ihre Aktienpositionen immer neu zu überdenken.

Das war auch in den letzten Tagen der Fall, als viele Leute durch die Ereignisse in der Tschechoslowakei beunruhigt wurden und Kursgewinne zu realisieren begannen. Da die Kaufaufträge aus dem Ausland deutlich nachgelassen haben, führten die Abgaben auch in den marktgängigen deutschen Aktien zu teilweise empfindlichen Kursabschlägen. Die deutschen Fonds lagen mit Kaufaufträgen auf der Lauer. Zu Beginn der Woche testeten sie noch den Markt; sie wollten in Erfahrung bringen, ob die internationale Währungsberuhigung den Zustrom heißen Geldes in deutsche Aktien gestoppt hat.

Die zuversichtliche Grundstimmung überwog aber auch an schwachen Tagen bei den Börsenbesuchern. Namhafte deutsche Banken halten den deutschen Aktienmarkt weiterhin für den zukunftsträchtigsten der westlichen Welt und empfehlen, rund 50 Prozent aller Neuanlagen in ausgesuchten deutschen Spitzenwerten vorzunehmen. K. W.