Hans Strelow ist Kunstkritiker in Düsseldorf und schreibt hier in eigener Sache. Er gehört – mit dem Düsseldorf er Künstler- und Galerieinhaber Konrad Fischer – zu den Initiatoren von „Prospect 68“, einer für September in Düsseldorf geplanten Verkaufsausstellung.

Konrad Fischers und meine Idee war es, mit „Prospect 68“ so etwas wie eine Avant-Premiere des Ausstellungsprogramms avantgardistischer Galerien für die gerade anbrechende Saison zu veranstalten. Ausgegangen waren wir von der verwirrenden Situation der dezentralisierten internationalen Kunstszene. Sicher, eine Kapitale gibt es: New York, nachdem die amerikanische Metropole mit der Pop-Art Paris den Rang als Zentrum moderner Kunst abgelaufen hat. Aber New York ist weit.

Die europäische Kunstszene leidet unter der Entfernung von New York, wo die wesentlichen Strömungen in der Kunst seit 1960 ihren Ausgang genommen haben. Europa hat New York in diesen Jahren kein vergleichbares Zentrum entgegenzusetzen, wo frühzeitig neue Tendenzen abzulesen wären, Richtungen erkennbar werden würden.

Pop-Art kam mit einer Verspätung von zwei Jahren, die Minimal Art mit gut eineinhalb Jahren Verzögerung nach Europa. Die ersten Ausstellungen von Künstlern dieser Richtungen in europäischen Galerien fanden, häufig nicht die ihnen gebührende Resonanz. Nicht selten wurden sie mit Unverständnis behandelt, und die Sammler hatten die verspätete Orientierung teuer zu bezahlen.

Diese Informationslücke zu verringern, ist eine Absicht der Schau „Prospect 68“. Die andere Intention zielt auf Förderung der europäischen Künstler, die gegenüber der auf New York konzentrierten Aktion nicht ihrer Bedeutung gemäß in Erscheinung treten können. Denn die Programmvorschau einer Reihe von Galerien des In- und Auslands an einem Ort würde die Kunsthändler auch vor die Frage stellen, was sie an Originalem zu bieten haben, das sie von ihren Konkurrenten unterscheidet. Eine Diversifikation wäre eine wünschenswerte Folgeerscheinung des „Prospect 68“ in Anbetracht der oft einseitigen Ausrichtung nach den USA und der Ähnlichkeit vieler Galerieprogramme von einem Land zum anderen.

Konrad Fischer und ich leben in Düsseldorf, einer – wie man weiß – der aktuellen Kunst aufgeschlossenen Stadt. So haben wir den Plan zu „Prospect 68“ Karl Ruhrberg, dem Direktor der Städtischen Kunsthalle, und danach Gerd Högener, dem Stadtkämmerer und Kulturdezernenten unterbreitet.

Da die Planung der Kunsthalle für 1968 bereits abgeschlossen war, wurden Konrad Fischer und ich mit der Organisation der Veranstaltung betraut. In Abstimmung mit der Kunsthalle wurden die Mitglieder des Komitees eingeladen, das die Auswahl der Galerien vornehmen sollte: Sieben Fachleute aus den Ländern.