In dem Streit zwischen den internationalen Währungsbehörden und Südafrika, an wen die Goldproduktion des Landes zu verkaufen sei, scheint sich jetzt ein fauler Kompromiß anzubahnen. Offensichtlich soll Südafrika sein Gold künftig je zur Hälfte an die Notenbanken und an den freien Markt abgeben. Südafrika möchte – mit Recht – lieber nur an die Notenbanken zum garantierten Preis von 35 Dollar je Unze verkaufen, weil es befürchtet, daß größere Verkäufe auf dem freien Markt den Goldpreis möglicherweise unter 35 Dollar drücken könnten.

Die Währungsbehörden verweisen dagegen Südafrika auf den freien Markt. Sie erhoffen sich von einem Druck auf den freien Goldpreis ein Nachlassen der Spekulation auf eine Änderung der Dollar-Gold-Parität. Allerdings ist hier die Front nicht ganz einheitlich, denn manchem Notenbankpräsidenten ist die Unruhe auf dem Goldmarkt ein Dorn im Auge.

Den Südafrikanern, die ihre Goldpolitik jahrzehntelang nach den Bedürfnissen der internationalen Währungspolitik ausrichteten, ist das Risiko des freien Marktes kaum zuzumuten, solange noch – wie früher – ein amtlicher Goldmarkt besteht. Es wäre gerechter, wenn die Währungsbehörden, die früher auf den Verkauf des südafrikanischen Goldes an die Bank von England bestanden, Südafrika so lange auf den freien Markt verweisen, wie der Goldpreis dort über 35 Dollar je Unze liegt, sich aber zur Abnahme verpflichten, wenn der freie Preis unter dieses Limit sinkt. mh