Unser Kritiker sah:

FAUSTS VERDAMMNIS

Dramatische Legende von Hector Berlioz

Opernhaus in Frankfurt/Main

Auf der Bühne ein Riesenrad, wenn es sich dreht, wird man ebenso, an den Wiener Prater wie an Fortunas Glücksrad erinnert. Scheinbar inmitten des Rades, tatsächlich im Rahmen eines vorgebauten Leitergerüstes, sinniert und singt Faust, ein Tenor.

Bei Berlioz befindet sich Faust anfangs in Ungarn – erklärtermaßen wegen des Rakoczy-Marschs. Berlioz hatte die Melodie in Budapest kennengelernt und sie zu einer gepfefferten Schlacht- und Siegesmusik instrumentiert. Deshalb mußte eine Armee durch Ungarns Ebene und an Fausts reflektierendem Geist vorbeimarschieren. In der deutschen Neubearbeitung des Stückes durch den Regisseur Hans Neugebauer "zeigt der Sieg seine Fratze: das Leichenfeld". Diese Vision ist so virtuos inszeniert, daß man vor lauter Sehen Berlioz’ "Ungarischen Marsch" kaum mehr hört.

Der großartige Bildeinfall Ekkehard Grüblers, das Symbolrad, trägt leider nicht alle Szenen. Zwischendurch muß es wegbugsiert werden. Für das Sylphen-Ballett schweben Hänger mit Kupferstichen aus dem Schnürboden herab. Wenn Nachbarsleute Skandal wegen Gretchens Liebschaft machen, werden mehrstöckige Metallgerüste für den Chorauftritt hereingefahren.