Von Adolf Metzner

Der Plan des Bonner Innenministeriums, eine Bundeszentrale für den Sport zu schaffen, wird heftig diskutiert. Die Skala der Meinungen reicht von der schärfsten Ablehnung bis zur wärmsten Befürwortung. Friede! Schirmer, der erfolgreichste deutsche Leichtathletiktrainer, lehnt die Bundessportzentrale ab, er vertritt die Ansicht, die Freiheit im Sport dürfe nicht angetastet und die Grenze zwischen Staat/Politik und Sport nicht verwischt werden.

Karl Adam dagegen, der Ratzeburger Ruderrevolutionär, befürwortet eine zentrale Koordinationsstelle beim Bund. Voraussetzung sei allerdings, daß sie personell richtig besetzt sei und nicht (nach dem Parkinsonschen Gesetz) mehr Gelder verschlinge, als sie verteile.

Die Befürchtung, daß der Sport verstaatlicht und die Bundeszentrale verbeamtet werden könne, klingt auch bei den Fürsprechern des Planes immer wieder durch. Die scheinbar scharfe Trennungslinie, die den Sport in zwei Lager zu teilen droht, erweist sich bei einem genaueren Hinsehen als recht fließend und vage. Die einzelnen Stimmen erscheinen auf den ersten Blick ganz einfach deshalb viel prononcierter, weil die meisten sich unter dem Gebilde Bundeszentrale noch recht wenig oder vielleicht auch zuviel vorstellen.

In Wirklichkeit herrscht in den entscheidenden Fragen Einigkeit, wenn auch die Ansichten in den Nuancen differieren. Erstens: Man erkennt, daß ohne kräftige staatliche Hilfe in Gestalt erheblicher finanzieller Subventionen der Sportrüstungswettlauf mit den Ostblockländern, deren Staatsamateure immer stärker triumphieren, mit Pauken und Trompeten verlorengeht. 1972 könnte Walter Ulbricht (falls er uns bis dahin noch erhalten geblieben ist) der große Sieger in München sein, nachdem er mit der Wahl des Olympia-Ortes eine so böse Schlappe einstecken mußte. Die Leistungen der DDR-Athleten zu Beginn des Olympiajahres 1968 sind jedenfalls ganz hervorragend und stellen die der bundesdeutschen in den Schatten.

Zweitens: Jede staatliche Bevormundung und direkte Einmischung wird strikt abgelehnt. Viele befürchten, nachdem schon die Quadratmeterzahl der Größe des Direktorzimmers genau festgelegt ist, daß in Bonn ein bürokratischer Wasserkopf entstehen könnte, der mehr hemmt als fördert.

Der Plan der Bundeszentrale wurde im Bundesinnenministerium in der Umgebung des ehrgeizigen Sportreferenten Dr. von Hovora entworfen, der inzwischen die Beförderungsleiter schon bis zum Ministerialdirektor emporgeklommen ist. Ein so glänzender Mann wie Dr. Hans Heinrich Sievert, der früh verstorbene Zehnkampf-Weltrekordmann, wurde unter Minister Schröder zunächst noch als Oberregierungsrat eingestuft!